Der Wolf Shop
Der Wolf als Kunstwerk in der Art Edition!
NATUR: Leben mit Wölfen
Schäfer fürchten Wolfsübergriffe auf ihre Herden, für andere schützt Isegrim die ökologische Vielfalt
POTSDAM - „In Berlin kann man so viel erleben, in Brandenburg soll es wieder Wölfe geben.“ Der Kabarettist und Songschreiber Rainald Grebe hatte recht. Er war allerdings mit seinem Brandenburglied aus dem Jahr 2005 seiner Zeit voraus. Erst Anfang 2007 konnte tatsächlich ein Wolfspaar nordwestlich vom sächsischen Bad Muskau nachgewiesen werden. Seit dem vergangenen Jahr hat Brandenburg auch den ersten Wolfsnachwuchs, wohnhaft in der Nähe von Spremberg (Spree-Neiße). „Allein das ist eine Sensation“, meint Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes, denn in Deutschland galt Canis lupus seit Ende des 19. Jahrhunderts als ausgerottet. Die Zuwanderung von einzelnen Wölfen nach Ostdeutschland riss aber nie ganz ab. In der DDR war das Tier eine jagdbare Art, die seit 1984 sogar ganzjährig zum Abschuss freigegeben war. Über 50 Wölfe fanden so den Tod. Und auch nach der Wende wurden allein in Brandenburg nachweislich noch mindestens fünf Tiere geschossen, illegal, denn das in allen Bundesländern geltende Naturschutzrecht und eine Vereinbarung auf europäischer Ebene verbieten das absichtliche Stören, Fangen und Töten von Wölfen.
Nach Einschätzung von Matthias Freude leben heute etwa 25 Wölfe in märkischen Wäldern. In ganz Europa wird die Population auf rund 20 000 Tiere geschätzt, 600 davon leben in Polen, zirka 40 in Sachsen. Mit nur wenigen Rudeln gehören die Wölfe in Brandenburg nach Ansicht des Naturschutzbundes (Nabu) gar zu den seltensten Säugetieren des Landes.
Der Beutejäger stößt auf großes öffentliches Interesse, „jedoch nicht immer auf Zustimmung“, wie Freude zugibt. Neben besorgten Anwohnern, die bei einem Waldspaziergang ihr Leben in Gefahr sehen, fürchten vor allem Nutztierhalter nächtliche Wolfsübergriffe. Während er die Naturliebhaber beruhigen kann, ist die Angst der Schäfer um das Wohl ihrer Herden nicht unbegründet. Wölfe greifen Nutztiere auch an, wenn sie genügend Rehe oder Wildschweine finden. Sie jagen einfach die Tiere, die sie am leichtesten überwältigen können. Vor allem Schafe und Ziegen sind wegen ihrer geringen Körpergröße, ihrem kaum vorhandenen Verteidigungsvermögen und ihrer Haltung im Freien gefährdet. Wölfe nähern sich ihrer Beute meist unbemerkt bis auf geringe Distanz, redensartlich wie der der Wolf im Schafspelz.
2007 wurden erstmals vier Schafs- und Ziegenrisse gemeldet, die eindeutig von Wölfen stammten. 2008 schnellte die Zahl mit 71 getöteten Tieren drastisch in die Höhe. Leidtragender war auch ein Betrieb in der Prig-nitz, wo Isegrim gleich mehrere Male zugeschlagen hatte. Derartige Angriffe auf nur eine Herde konnten im vergangenen Jahr vermieden werden, dennoch ließen 35 Schafe und Ziegen ihr Leben. Mit vorbeugenden Maßnahmen will das Landesumweltamt den Schäfern zur Seite stehen. Dazu gehören das Aufstellen von Zäunen mit einem Elektronetz oder speziellem Unterwühlschutz. Sehr wirkungsvoll ist auch der Einsatz von Herdenschutzhunden.
Andreas Hauswald ist seit mehr als 40 Jahren Schäfer auf einer Koppel bei Mühlberg (Elbe-Elster). Schon seit 2003 besitzt er mehrere Pyrenäen-Berghunde, die seine Schafsherde vor Angreifern schützen. Hauswald, der auch Vorstandsmitglied des Schafzuchtverbandes Berlin-Brandenburg ist, zeigt sich mit den Hilfeleistungen des Landes unzufrieden. Er beklagt etwa das Verfahren im Schadensfall. Wird ein Tier durch einen Wolf getötet, müsse sich der Schäfer erstmal mit einem 20-seitigen Formular herumschlagen, um den Verlust finanziell ersetzt zu bekommen. „Die 800 märkischen Schäfer sind ständig in der Rolle des Bittstellers. Das ist die falsche Herangehensweise.“ Hauswald plädiert für eine höhere Förderung der Schaftierhaltung, „ohne uns bei jedem Schritt ständig auf die Finger zu schauen“. Für die Anschaffung der vierbeinigen Beschützer hat er viel Geld investiert. Sowohl die Ausbildung als auch die Unterhaltung der Hunde sei sehr teuer. Vor Kurzem haben der Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg und die weltweite Naturschutzorganisation WWF deshalb einen mobilen Herdenschutz ins Leben gerufen. Diese Schutzhunde werden immer dann eingesetzt, wenn ein Schäfer einen Übergriff auf seine Herde erlebt hat oder unmittelbar befürchtet. Das Ziel ist Hilfe zur Selbsthilfe für den Umgang der Schäfer mit den Hunden. Die Waldbiologin Yvette Krummheuer betreut die weißhaarigen Helfer auf ihrer Mission und schläft nachts sogar auf der Weide im Zelt, um ganz nah bei den Tieren zu sein. „Sie sind zwar von vornherein arbeitstüchtig“, so Krummheuer, „aber sie müssen lernen, sich schnell auf neue Herden einstellen zu können.“
Der Chef des Landesumweltamtes, Matthias Freude, kann dem Unmut der Schäfer nur schwer folgen. „Herdenschutzhunde und sicherere Zäune machen zwar mehr Arbeit, ersparen am Ende aber Ärger und Kosten – und dem Wolf ein schlechtes Image.“ Darüber hinaus habe das Land den Schäfern die Verluste von Tieren finanziell ausgeglichen. Rund 7000 Euro im letzten und 10 000 Euro im Jahr 2008 seien dafür aufgewendet worden. Als Ökologe überwiegt für ihn die Begeisterung über die Rückkehr des Raubtieres. „Der Graue macht die Landschaft bunter“, meint Freude. Vom Wolf aufgescheuchte Wildtiere wie Rehe und Hirsche verteilen sich besser im Wald und fressen nicht mehr einzelne Stellen kahl. Dadurch verhindert Isegrim Waldschäden, wodurch nun auch wieder jüngere Gewächse Zeit haben, sich zu entwickeln. Dem promovierten Zoologen fällt dazu ein russisches Sprichwort ein: „Wo der Wolf läuft, wächst der Wald“. (Von Christina Bauermeister)
Schleswig-Holstein heißt den Wolf willkommen
Das Land ist auf die Rückkehr vorbereitet - Ausgleich für Schafzüchter
Die Wölfe können kommen
Großenaspe - Lena und Erik merkten offenbar genau, „hier stimmt etwas nicht“, meinte Ute Kröger, Leiterin der Wildparkschule Eekholt. Der Versuch, die Wölfe mit Futter zum Fototermin mit der Ministerin zu locken, misslang. Geglückt ist dafür ein gemeinsames Konzept des Landes mit zahlreichen Verbänden zur Vorbereitung auf die Rückkehr der Wölfe in freier Wildbahn.
Da jederzeit in ganz Deutschland mit dem Auftauchen einzelner Wölfe zu rechnen sei, wurde frühzeitig vorsorglich ein Wolfsmanagement erarbeitet, erklärte Landwirtschaftsministerin Juliane Rumpf (CDU) gestern im Wildpark Eekholt in Großenaspe. Die Landesregierung begrüße die mögliche Wiederkehr der Wölfe, betonte Rumpf. Es sei zwar eher unwahrscheinlich, dass sich hier in absehbarer Zeit ein Rudel ansiedelt, das sich auch fortpflanzt, aber zumindest mit einzelnen Wölfen auf Wanderschaft sei zu rechnen. Deshalb sei es wichtig, Ängsten zu begegnen und Schafzüchtern finanziellen Ausgleich zu sichern, falls ihre Tiere von Wölfen gerissen werden.
Da das EU-Recht den Schadensausgleich pro Tierhalter auf höchstens 7500 Euro innerhalb von drei Jahren begrenzt, haben sechs Naturschutzorganisationen gemeinsam einen Wolfsgarantiefonds aufgelegt, mit dem sie im „sehr unwahrscheinlichen“ Fall eines höheren Schadens den Ausgleich aufstocken, erklärte Fritz Heydemann, Vorstandsmitglied des NABU-Landesverband
Der Wildpark Eekholt, der seit 1993 Wölfe im Gehege hält und seitdem versucht, den Wolf von seinem durch Märchen und Filme geprägten schlechten Image zu befreien, baut ein Wolfsinfozentrum auf. Das Wolfsgehege wird erheblich vergrößert und durch Ausstellungsräume ergänzt. Geschäftsführer v. Schenck war erst am Vorabend von einer weiteren Schulung aus der Lausitz zurückgekehrt - er ist einer der bislang vier geschulten Wolfsbetreuer in Schleswig-Holstein. Langfristig soll es in jedem Kreis zwei bis drei Wolfsbetreuer als Ansprechpartner geben.
Das gemeinsam „Positionspapier zur Wiederbesiedlung Schleswig-Holsteins durch den Wolf“, an dem Naturschutzverbände ebenso wie Landesjagdverband, Bauernverband und Schafzüchter beteiligt waren, formuliert als langfristiges Ziel, „die bundesdeutsche Wolfspopulation so zu fördern, dass sie in Verbindung mit den westpolnischen Beständen in einen günstigen Erhaltungszustand versetzt wird“. Das Bundesamt für Naturschutz geht davon aus, dass in Deutschland etwa 440 Wolfsrudel denkbar wären, vor allem in den ausgedehnten Wäldern der Mittelgebirge. Derzeit leben bundesweit mindestens 50 Wölfe - die meisten davon in sechs Rudeln in der Lausitz in Sachsen und Brandenburg. In Schleswig-Holstein war im April 2007 ein Wolf in der Nähe von Eutin auf der B 76 überfahren worden. Die genetische Untersuchung ergab später, dass er aus der sächsischen Population stammte.
Wolf kehrt in die Alpen zurück
Nach über 150 Jahren erster Vertreter der Alpenpopulation nachgewiesen
Nach 150 Jahren Abwesenheit kehren nun erstmals wieder Wölfe in den Alpenraum zurück: In Bayern wurde jetzt ein Wolf nachgewiesen, der nicht aus Polen stammt, wie die seit zehn Jahren in Sachsen eingebürgerten Rudel, sondern der der genetisch verschiedenen Alpenpopulation angehört.
Wölfe waren einst in ganz Europa verbreitet, wurden jedoch vom Menschen ausgerottet. Im Jahr 2000 wurden in Ost-Sachsen erstmals wieder Wölfe in Freiheit geboren. Die Elterntiere waren aus Osteuropa eingewandert. Inzwischen hat sich in Sachsen ein Bestand von sechs Rudeln etabliert. Mehr als 150 Jahre nach seiner Ausrottung leitet sich nun auch in Bayern die Rückkehr des Wolfes ein. Nach Angaben des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt wurde im Mangfallgebirge ein Wolf genetisch nachgewiesen.
Erster Vertreter der Alpenpopulation
Der Wolf im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet ist nun seit langer Zeit wieder ein Vertreter der Alpenpopulation in Deutschland. Schon 2006 war ein Wolf aus dem Alpenraum eingewandert, wurde jedoch nach kurzer Zeit überfahren. Mit dem jetzigen Einwanderer setzt nun neben den aus Osteuropa stammenden Wölfen eine zweite Wolfspopulation ihre Pfoten auf deutschen Boden. Dies werten Experten als eine große Chance.
„Wenn der Wolf in Europa langfristig überleben soll, muss in großen Maßstäben gedacht werden, denn der genetische Austausch zwischen den dünn verteilten Beständen ist enorm wichtig", sagte NABU-Wolfsexperte Markus Bathen. Wölfe leben in einer Dichte von nur etwa einem Tier auf 40 Quadratkilometern. „Falls sich über kurz oder lang die deutsch-westpolnischen Wölfe und die Alpenpopulation in Deutschland miteinander vermischen, wäre das eine große Chance für das Überleben der Wölfe in Europa", erklärte Bathen.
Hauptbeute vor allem alte und kranke Tiere
Nach Erkenntnissen im größten deutschen Wolfsgebiet, der brandenburgisch-sächsischen Lausitz, ernähren sich Wölfe hauptsächlich von Rehen, Rothirschen und Wildschweinen. Sie bevorzugen alte und kranke Beutetiere, daher sind nachhaltig negative Auswirkungen auf die Wildtierbestände nicht erkennbar. In Einzelfällen kommt es dazu, dass Wölfe Schafe fressen. Sowohl in der Lausitz als auch in vielen europäischen Bergregionen sind jedoch gute Erfahrungen mit Schutzmaßnahmen wie Herdenschutzhunden gemacht worden.
„Managementplan Wolf“ angelaufen
„Die Erfahrungen belegen, dass sich die Schäden bis auf wenige Einzelausnahmen fast gegen Null reduzieren lassen. Dieser Herausforderung des Herdenschutzes wollen wir uns gemeinsam mit den Landwirten stellen", so Bathen. Um mit allen Betroffenen einen gemeinsamen Weg von Mensch und Wolf zu finden, hat Bayern mit der ersten Stufe des Managementplans Wolf schon wichtige Vorarbeit geleistet. Der NABU geht davon aus, dass nun die zweite Stufe, die sich mit wenigen, standorttreuen Tieren befasst, angegangen werden kann.
(NABU, 01.03.2010 - NPO)
Wölfe siedeln seit zehn Jahren wieder in der Lausitz (17.02.2010)
Görlitz (ddp-lbg). Vor einem Jahrzehnt haben sich in der Lausitz wieder Wölfe angesiedelt. Auf den alten Truppenübungsplätzen zwischen großen Tagebaugebieten im Nordosten Sachsens und Süden Brandenburgs habe sich die größte Population der europaweit geschützten Raubtiere innerhalb Deutschlands entwickelt, sagte der Abteilungsleiter Zoologie am Naturkundemuseum Görlitz, Hermann Ansorge, am Mittwoch in einem ddp-Gespräch.
Die seltenen Tiere vermehrten sich in Deutschland, bis auf eine Ausnahme in Sachsen-Anhalt, nachweislich nur in dieser Region, sagte Ansorge weiter. Im Nordosten Sachsens und Süden Brandenburgs fänden die aus Westpolen eingewanderten Wölfe optimale Lebensbedingungen.
In der Lausitz leben Ansorge zufolge mittlerweile über 40 Wölfe. In den vergangenen zehn Jahren seien über hundert Welpengeburten nachgewiesen worden. Ansorge koordiniert im Auftrag des sächsischen Umweltministeriums die Begleituntersuchungen zur Rückkehr des Wolfes. «Der Speiseplan hat sich über die Jahre kaum verändert - hauptsächlich Schalenwild, Rehe, Wildschweine und Rothirsche - nur 0,5 Prozent Nutztieranteil», sagte der Experte.
Trotz deutlich gestiegener Wolfszahlen gingen die Schäden durch die Tiere im Jahr 2009 zurück: Insgesamt rund 2500 Euro zahlte der Freistaat für Schafe, die von Wölfen getötet wurden. Zuvor waren es durchschnittlich knapp 5000 Euro pro Jahr, wie das sächsische Umweltministerium auf ddp-Anfrage mitteilte.
Jana Schellenberg vom Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz in Rietschen beziffert die Wolfsrisse bei Nutztieren im Jahr 2009 auf 21 tote Schafe und ein verletztes weiteres Tier. Ein Jahr zuvor seien es noch 56 tote und vier verletzte Schafe gewesen. Die wissenschaftlichen Begleituntersuchungen und die Arbeit des Kontaktbüros kosteten den Freistaat Sachsen durchschnittlich 100 000 Euro pro Jahr, hieß es.
(ddp)
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Wölfe kehren nach Deutschland zurück
Wölfe sind nach Deutschland zurückgekehrt: Nach den Anfängen in der sächsischen Oberlausitz ist „Isegrim“ mittlerweile auch in Brandenburg und Sachsen-Anhalt heimisch. In Niedersachsen, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern wurden ebenfalls schon Wölfe gesehen.
Der Wolfsbestand wird deutschlandweit auf etwa 60 Tiere geschätzt, in Europa sind es etwa 20.000.
Sebastian Koerner und Klaus Puffer streifen durch den Schnee. Es knirscht unter ihren Schuhen, sie gehen bedächtig, fast schleichen sie. Die Wolfsexperten haben ihre Augen auf den Boden gerichtet. Sie suchen nach Spuren, Überbleibseln von gerissenen Tieren, Kot- und Urinresten. Auf und rund um den Truppenübungsplatz Altengrabow im Osten Sachsen-Anhalts leben derzeit sieben Wölfe, darunter fünf Jungtiere. Die Männer freuen sich, dass es wieder Wölfe in Deutschland gibt. Nach den Anfängen in der sächsischen Oberlausitz ist „Isegrim“ mittlerweile auch in Brandenburg und Sachsen-Anhalt heimisch. In Niedersachsen, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern wurden ebenfalls schon Wölfe gesehen.
„Aus den Spuren kann man auf die Mitgliederzahl der Wolfsfamilie schließen“, sagt Biologe Koerner, der für das Wildbiologische Büro Lupus in Spreewitz (Sachsen) arbeitet. „Die Wölfe haben es auf dem Truppenübungsplatz sehr gut.“ Alle zwei bis vier Wochen zieht es die beiden Männer auf das weiträumige Areal bei Altengrabow. Koerner ist vom Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt mit der wissenschaftlichen Beobachtung der Tiere, dem sogenannten Monitoring, beauftragt. „Frischer Kot eignet sich für eine gentechnische Analyse“, sagt der 47-Jährige. „So können die einzelnen Tiere unterschieden werden und man kann feststellen, ob es sich um reinrassige Wölfe handelt und woher sie stammen.“
Der Bestand wird deutschlandweit auf etwa 60 Tiere geschätzt, in Europa sind es etwa 20 000. Fünf Jungtiere brachte eine Wölfin im Mai 2009 auf dem Militärübungsplatz nahe der Landesgrenze Sachsen-Anhalts zu Brandenburg zur Welt. Nur einen Monat später erschoss ein Jäger illegal den Vater. Im September 2009 fanden Koerner und Puffer dann zum ersten Mal Spuren eines neu zugewanderten Rüden. Die erwachsenen Wölfe stammen wahrscheinlich aus der Lausitz oder aus Ostpolen. Solche ländlichen Kulturlandschaften eignen sich nach Ansicht des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) bestens als Lebensraum für die Wölfe.
„Ein Rudel benötigt etwa ein Gebiet von 300 Quadratkilometern“, erläutert Markus Bathen, Wolfsexperte beim NABU in Berlin. „Ich bin sicher, dass auch ständig Einzeltiere durch das Land streifen. Denn um einen Partner und ein eigenes Revier zu finden, ziehen einige Wölfe bis zu 1500 Kilometer weit.“ Er rechnet nicht damit, dass sich das Rudel irgendwann wieder aus Sachsen-Anhalt zurückzieht. „Sollte das Gebiet um Altengrabow vom jetzigen Wolfspaar aufgegeben werden, würde es mittel- bis langfristig wieder besiedelt werden.“
Umso wichtiger ist es, den Wolfsbestand genau zu beobachten. Das Lupus-Büro hat dafür sechs Kameras installiert. Koerner nennt sie scherzhaft Fotofallen. „Sie reagieren auf die Körperwärme der Tiere“, sagt der Biologe. Mit dieser technischen Raffinesse sind dem Experten schon viele Schnappschüsse gelungen. Die Langzeitbeobachtung mit GPS- Sendern würde zusätzliche Informationen liefern. „Den Aufenthaltsort eines Altwolfes jederzeit bestimmen zu können, wäre der Idealfall. Dann würden wir genau wissen, wie groß das Altengrabower Territorium ist.“ Doch das ist eine Frage des Geldes. „Wir hoffen auf das kommende Jahr.“
Blut im Urin der Mutterwölfin zeigt Koerner und Puffer, dass sie wieder läufig wird. Ein gutes Zeichen, dass es im Frühling wieder Nachwuchs geben wird. Viele Kritiker glauben, dass die Anzahl der Tiere außer Kontrolle gerät. Abschüsse durch Jäger sind aber gar nicht nötig. „Die Jungwölfe wandern mit knapp zwei Jahren ab, und das Elternpaar verteidigt sein Revier gegen fremde, erwachsene Wölfe“, sagt Förster Puffer. So verteilen sich immer wenige Wölfe auf großer Fläche. „Die Natur hat das klug eingerichtet.“
NABU-Experte Bathen macht sich Sorgen. „Ich frage mich, ob die Menschen den Wolf, den sie einst ausgerottet haben, heute akzeptieren können.“ Immer wieder werden die Beutegreifer illegal geschossen. „Sie sind nach 150 Jahren zurückgekehrt und uns deshalb fremd geworden.“ Der NABU hat deshalb den Aktionsplan „Willkommen Wolf!“ aufgestellt. „Es muss in vielen Köpfen noch viel passieren“, sagt Bathen.
dpa
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Zahlreiche Hinweise auf Wölfe in Lieberoser Heide
27.01.2010 - Lieberose (ddp-lbg). Mit dicken Stiefeln, Mantel und einer Fellmütze geht Romeo Buder durch den hartgefrorenen Schnee. Dann bleibt er stehen und deutet auf drei Spuren, die auf dem weißen Untergrund zu sehen sind. «Hier ist wahrscheinlich noch heute Morgen ein Wolf vorbeigekommen», sagt der 49-Jährige, der seit vielen Jahren Revierförster auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz im südbrandenburgischen Lieberose ist.
Buder kennt jeden Winkel des riesigen Waldgebietes. «Wolfsspuren waren an dieser Stelle schon vor fünf Jahren zu sehen», sagt er. Von einer dauerhaften Ansiedlung wollte in der Vergangenheit aber niemand sprechen. Doch am Dienstag bestätigt Heiko Schumacher von der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, die große Flächen des ehemaligen Militärgeländes besitzt, offiziell die Vorkommen.
«Seit November 2009 hat es immer häufiger Hinweise von Förstern und Jägern gegeben», sagt Schumacher. Zudem deuteten zahlreiche Spurenbeobachtungen im Schnee auf die Ansiedlung des Wolfes. Mithilfe von selbstauslösenden Kameras seien auch zwei Fotoaufnahmen von Rüden beim Streifzug auf der ehemaligen Schießbahn gelungen. Ob es sich dabei um eines oder zwei unterschiedliche Tiere handle, kann Schumacher jedoch nicht sagen. Er wisse aber, dass der Wolf ein Tier ist, das starke Emotionen wecken kann, «sowohl positive als auch negative». Die Stiftung wolle dem mit sachlicher Information und Aufklärung begegnen.
«Für Menschen stellen die tierischen Gäste keine Gefahr dar», betont Schumacher. Wölfe seien scheu und reagierten auf Geräusche und Bewegungen mit einem Fluchtinstinkt. Es sei daher ein besonderes Erlebnis, einen Wolf zu sehen. Revierförster Buder ist dem seltensten Säugetier Brandenburgs schon häufiger begegnet. «Jedoch immer nur aus weiter Entfernung», wie er sagt.
Bei anderen Waldtieren habe er bereits Veränderungen im Verhalten festgestellt. So trete das Rotwild seit längerem nur noch in größeren Rudeln auf, um sich vor den Wölfen besser zu schützen. Das gleiche gelte für das Schwarzwild, deren Gruppen sich vor allem an starken Ebern orientierten. «Das Rehwild ist umsichtiger geworden und wechselt weniger», sagt Buder. Das langsame Muffelwild sei schon gänzlich verschwunden.
Steffen Butzeck vom Landesumweltamt, der Wolfsbeauftragte für Südbrandenburg, bestätigt die Beobachtungen. Er gehe davon aus, dass «auf dem Gebiet des ehemaligen Truppenübungsplatzes nun wahrscheinlich dauerhaft Wölfe heimisch werden». Die weiträumige und unzerschnittene Landschaft biete gute Voraussetzungen für die natürliche Ansiedlung einer Wolfsfamilie. Bedenken vor zu groß anwachsenden Populationen wies er strikt zurück. Wolfsrudel beanspruchten aufgrund ihres Jagd- und Revierverhaltens ein Territorium von rund 270 Quadratkilometern. Das entspreche etwa der Fläche des Truppenübungsplatzes Lieberose.
Dennoch könnten schlecht geschützte Schafe in Ausnahmefällen auch zu Beutetieren werden. Butzeck fordert die Schaf- und Ziegenhalter Brandenburgs daher auf, die Weideflächen beispielsweise mit wolfssicheren Elektrozäunen einzufrieden. In Brandenburg gab es nach Angaben des Landesumweltamtes 2008 insgesamt 71 dem Wolf zugeschriebene gerissene Nutztiere. 2009 waren 35 getötete Schafe und Ziegen registriert worden.
Lieberose war mit rund 27 000 Hektar der größte Truppenübungsplatz der DDR. Die Nord-Süd-Ausdehnung betrug etwa 15, die Ost-West-Ausdehnung 30 Kilometer. Das Gebiet befindet sich überwiegend im ostbrandenburgischen Heide- und Seengebiet, in dem viele seltene Tier- und Pflanzenarten zu Hause sind. Im Juli 1994 wurden die Flächen dem Land Brandenburg übergeben.
(ddp)
Wölfe in Deutschland
Der unheimliche Nachbar
30.12.2009
Der Wolf ist zurück. Die Population des Tieres nimmt in Deutschland zu und statt Furcht kann der Wolf Nutzen nach Deutschland bringen: die Wildschweine eindämmen. VON KLEMENS KÖHLER
Bei aller Toleranz, ein bisschen unheimlich sind uns die neuen Zugezogenen schon. Für die meisten sind sie ja auch weit weg. Irgendwo im Osten von Sachsen und Brandenburg soll es sie geben. Wirklich gesehen oder gehört haben wir sie noch nicht. Nur der Freund eines Freundes will jemanden kennen, der mal einen beim Abendbrot beobachtet hat.
Gerüchte haben wir aber alle schon gehört, Schauergeschichten hat uns schon Oma am Bett erzählt und damit für Albträume gesorgt. Diese Einwanderer aus dem Osten würden Großmütter überfallen und kleinen Mädchen auflauern. Oder die Lebensgrundlage notleidender Ziegenzüchter vernichten.
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Da sind uns doch die alten Nachbarn lieber, die die nur mal gucken, im Müll wühlen oder auf der Suche nach etwas Essbaren den halben Vorgarten umgraben. Auch harmlosen Vandalismus wie die mutwillige Sabotage von Kraftfahrzeugen können wir vertragen. Obwohl Marder, Fuchs und Wildschwein damit natürlich schlechte Vorbilder sind für Zuwanderer wie Waschbär und Mink, lässt man ihnen doch viel durchgehen.
Aber beim Wolf, dem Neuen, ist das ganz was anderes. Engagierte Mitarbeiter des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) wie Wolfsexperte Markus Bathen werden nicht müde zu betonen, dass die Zuwanderer aus Polen eigentlich nichts Böses im Sinn haben. Man müsse ihnen Raum geben, ihnen mit Respekt begegnen und ihre Andersartigkeit akzeptieren, dann ließen sie sich auch integrieren. Angst vor einem Clash of Civilisations müsse man nicht haben.
Zwar breitet sich die deutsche Wolfspopulation immer mehr aus und umfasst inzwischen fünf Rudel mit zusammen bis zu 50 Tieren und einige Einzelgänger, jedoch würden sie uns nicht ihre Lebensweise aufdrängen wollen. Außerdem gibt es mit den vielen Haushunden ja schon hervorragend integrierte Artgenossen. Und überhaupt, das ständige Verstecken sei kein Zeichen konspirativer Umtriebe, sondern schlicht Schüchternheit und ein wenig Angst.
Dass die auch berechtigt ist, zeigt ein Blick in die Geschichte: "Der Wolf wurde mit Feuer und Schwert bekämpft. In Deutschland stand er in etwa auf derselben Stufe wie die Ratte, und es galt ihn auszurotten", erklärt der Wildbiologe Sven Herzog, Dozent an der TU Dresden. Diese konsequente Bekämpfung habe dann auch dazu geführt, dass sich zwischen 1904 und 1999 kein einziger Wolf mehr nach Deutschland getraut hat - zumindest hat in dieser Zeit niemand einen gesehen.
Wegen der belasteten Vorgeschichte ist eine Annäherung schwierig. Die menschliche und nichtmenschliche Bevölkerung Deutschlands hat sich hier ohne den Wolf eingerichtet. Was wir über ihn wissen, haben wir von den Brüdern Grimm und anderen Propagandisten der Vertreibung.
Auch der Nabu-Wolfsexperte Markus Bathen sieht hier die größten Probleme. "Die Leute sind das enge Zusammenleben mit dem Wolf nicht gewohnt. Wenn er irgendwo neu auftaucht, stehen da noch keine Zäune um die Schafherden, in dem Moment entstehen auch die Schäden." In Gegenden, in denen es schon länger Wölfe gibt, gebe es allerdings kaum noch Konflikte mit Schaf- und anderen Tierzüchtern.
"Den Wolf zu tolerieren ist eigentlich kein Problem mehr", versucht Sven Herzog die Diskrepanz zwischen der Angst vor dem Wolf und der tatsächlichen Gefährdung zu überbrücken. Denn anders als im Mittelalter bedeutet der Verlust eines Schafs heute nicht mehr den Verlust der gesamten Existenz für den Besitzer. Der Schäfer kann sich heute besser anpassen: Er kann Zäune bauen oder Herdenschutzhunde anschaffen. Sozusagen als domestizierte Vermittler zwischen Mensch und Wolf.
Diese Tricks funktionieren aber nur bei Viehzüchtern, die es gewohnt sind, ihren Nutztieren den Lebensraum und ihr soziales Umfeld vorzuschreiben. Schwieriger ist die Anpassung für die Jäger. Als Zunft sei sie von jeher darauf angewiesen, dass sich möglichst dummes Wild bereitwillig vor die Flinte oder Büchse stellt.
Das ist vor allem wichtig, wenn man die Familie termingerecht mit einem Festtagsbraten versorgen will, aber sonst eigentlich nie draußen ist. Selbst Tierarten, die sich nicht so bereitwillig vom Wolf fressen lassen wie das vom Menschen angesiedelte Mufflon, werden vorsichtiger und damit schwieriger zu erlegen. Schließlich jagt der neue Nachbar nicht nur am Wochenende.
"Den einzelnen Jäger kann die dauerhafte Anwesenheit eines Wolfsrudels in seinem Jagdrevier wirklich schädigen, aber meist reicht es aus, sich an die neuen Feindvermeidungsstrategien der Beutetiere anzupassen", erklärt Markus Bathen und stützt sich auf die regionalen Abschusszahlen der Jäger, wenn er sagt, dass der Wolf keine einheimische Wildart in ihrem Bestand gefährdet: "Wenn man die Zahlen mit wolffreien Gebieten vergleicht, zeigen sich nur Schwankungen, wie sie auch überall sonst auftreten."
Sven Herzog widerspricht dem allerdings vorsichtig: "Welche Auswirkungen der Wolf auf Reh- oder Rotwildpopulationen haben wird, lässt sich noch nicht sagen. Dafür gibt es auch momentan kein wirksames Monitoringverfahren." Allgemein erlegen Wölfe vor allem geschwächte Tiere und tragen so zu einer gesunden Populationsentwicklung der Beutetiere bei.
Entgegen der landläufigen Meinung besteht die Nahrung des Wolfs nicht nur aus Ziegen und alten Frauen. Wie sich auf www.wolfsregion-lausitz.de nachlesen lässt, frisst der Räuber vor allem Rehe, Hirsche, Wildschweine und Hasen. Diese Tierarten machen fast 98 Prozent seiner Beute aus. Mehr als die Hälfte der Wolfdiät besteht aus Rehfleisch. 0,6 Prozent des Speiseplans sind dagegen Haustiere und ein weiteres Promille Früchte. Damit unterscheiden sich laut Sven Herzog die hiesigen Wölfe von vergleichbaren Populationen in Osteuropa, wo Wildschweine bis zu 60 Prozent des Nahrungsbedarfs decken würden.
Diese Daten zu erheben ist eine sehr intime Angelegenheit. Denn als Hinweis dient fast nur der Kot der Tiere. Viel näher kommt man ihnen auch meist nicht. Selbst Markus Bathen muss sich seit sieben Jahren mit Hinterlassenschaften und Pfotenabdrücken begnügen, seit er das letzte Mal einen Wolf gesehen hat.
Aus der Sicht von Sven Herzog ist die Wiederansiedlung des Wolfs eine gewaltige Chance für den Artenschutz in Deutschland. Schließlich wurde er nicht, wie Falken oder Luchse, vom Menschen unterstützt. Die Kehrseite der Medaille ist eine sehr geringe genetische Variabilität, denn die deutschen Wölfe stammen komplett von einer kleinen Population in Polen ab. Das macht sie potenziell anfälliger für Krankheiten oder Umweltveränderungen.
Helfen könnte das gezielte Aussetzen einiger Exemplare, zum Beispiel aus Zoos oder Wildtiergehegen. Doch dem steht die sehr verhaltene Akzeptanz in der Bevölkerung gegenüber. Und hier verhärten sich die Fronten. Auf der einen Seite Schafzüchter, Jäger und andere Betroffene, die den Wolf oft ablehnen, auf der anderen die Naturschutzverbände, wie der Nabu, der große Teile der Bevölkerung hinter sich weiß. "Hier wäre ein echter moderierter Prozess nötig, bei dem die Vorbehalte beider Seiten berücksichtigt werden", sagt Sven Herzog. Man müsse verstehen, dass Menschen nicht zur Toleranz neigen, wenn ein Wolf gerade ihren übermütigen Hund getötet hat.
Für Markus Bathen ist klar, dass die Entscheidung für oder gegen den Wolf eine gesamtgesellschaftliche sein muss. Vielleicht auch, weil die besonders Betroffenen den Wolf kritischer sehen als der Rest der Gesellschaft. Im Moment lässt sich nur darüber spekulieren, ob in Zukunft auch der Berliner oder Stuttgarter betroffen sein wird. Zwar halten sich die Wölfe im Moment noch fern von Städten, aber es haben sich schon viele Räuber an die guten Nahrungsbedingungen in der Nähe des Menschen gewöhnt.
"Wenn das Rotwild in der Landschaft schwieriger zu erbeuten ist, folgt der Wolf vielleicht dem Wildschwein", konstruiert Sven Herzog eine Möglichkeit. Und das gräbt ja bekanntlich schon so manchen Berliner Vorgarten um.
Einst vom Aussterben bedrohte Wölfe haben Überlebenschancen
Dienstag, 22. Dezember 2009
Naturschützer erwarten, dass die vom Aussterben bedrohten Wölfe sich wieder vermehren und ihr Verbreitungsgebiet von Ostdeutschland nach Westen ausdehnen werden. Auch eine Zuwanderung über die Alpen oder aus dem Jura-Gebirge sei denkbar, teilte das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn mit.
In vielen Regionen Deutschlands gebe es von den Lebensbedingungen her ausreichend Platz für den Canis lupus. Ungefähr 440 Rudel könnten vor allem im Mittelgebirge und im Bereich der Alpen einen geeigneten Lebensraum finden.
Ausgedehnte Waldflächen von etwa 200 Quadratkilometern seien optimal für die bedrohte Tierart, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel. Derzeit leben gerade mal sieben Wolfsrudel in Ostdeutschland, nachdem sich im Jahr 2000 ein Wolfspaar aus Polen in der sächsischen Lausitz angesiedelt hatte. Vor 100 Jahren war der Canis lupus in Deutschland ausgerottet worden.
| Brandenburg
Auf den Spuren der Brandenburger Wölfe
Im Mittelpunkt von „Wolf & Mensch – auf Spurensuche in Brandenburg“ im Elbe-Elster-Land/ Bad Liebenwerda/ Kreismuseum steht bis März 2010 die Rückkehr des Wildtieres, das die Menschen seit jeher beschäftigt. Das beweisen viele Sagen, Märchen und Ortsnamen. Wölfe sind in Deutschland seit knapp zehn Jahren wieder heimisch und Fachleute gehen davon aus, dass es mittlerweile acht „Brandenburger“ Wölfe gibt. Sie leben fast alle auf militärischen Übungsplätzen und in ehemaligen Tagebauen in der Lausitz. Im Sommer 2009 wurden erstmals in Brandenburg wieder Welpen gesichtet. Bis zu 18 Tiere streifen außerdem ohne festes Revier durch Flur und Wälder.
In der Ausstellung wird das Mit- und Gegeneinander von Wolf und Mensch seit Beginn der Menschheitsgeschichte beleuchtet. Alte Mythen werden aufgegriffen und Geschichten erzählt. Tafeln schildern die Jagd auf Wölfe. Vorträge zu Wölfen in der Lausitz und in Russland, zur Jagdgeschichte in Brandenburg oder einfach nur Wolfsgeschichten ergänzen die Ausstellung. Für Kinder und Schulklassen werden spezielle Mit-mach-Nachmittage angeboten.
Das Kreismuseum befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Burg- und Schlossanlage Bad Liebenwerda in unmittelbarer Nachbarschaft zum Lubwartturm. Öffnungszeiten: mittwochs bis freitags von 14 bis 17 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 10 bis 12 und von 14 bis 17.30 Uhr. Infostelle/ Buchung: www.elbe-elster-land.de. (TMB Tourismus Marketing Brandenburg GmbH)
Mecklenburg-Vorpommern
Wölfe spurlos verschwunden: Jäger im Visier (9. Dezember 2009)
Anfang 2008 verschwanden zwei Wölfe spurlos aus der Lübtheener Heide. Nun stehen Jäger im Verdacht, die Tiere illegal geschossen zu haben.
Management-Plan zum Umgang mit dem Wolf vorgelegt
Schwerin. Zwei Wölfe sind in Mecklenburg-Vorpommern unter mysteriösen Umständen verschwunden. „Ich bin sicher, dass wir schon Jungtiere hätten, wenn die beiden Tiere noch da wären", sagt der Forstwissenschaftler Norman Stier, verantwortlich für die Überwachung des Bestandes – das Wolfsmonitoring – im Land. Ein Rüde und ein Weibchen waren seit Anfang 2007 in der Lübtheener Heide (Kreis Ludwigslust) unterwegs und verschwanden Anfang 2008 spurlos. Gerüchtehalber sollen Jäger die beiden Tiere geschossen haben – illegal, denn der Wolf ist streng geschützt. Derartiges kommt vor: Erst Ende November wurde in Niedersachsen ein Jäger zu 1000 Euro Geldstrafe verurteilt, weil er 2007 einen Wolf getötet hatte.
Bedrohte Tiere aus Heide und Harz
Der Landesjagdverband räumt ein, dass mancher Weidmann dem Wolf reserviert gegenübersteht, weil er befürchtet, dass der Wildbestand im Revier rapide abnehmen könnte. Allerdings habe der Verband eine positive Grundhaltung: „Der Wolf ist uns willkommen“, betont Präsidiumsmitglied Jürgen Krüger. Die große Mehrheit der Jäger sehe das Raubtier auch als Bereicherung. Zum Fall Lübtheen äußert sich Krüger vorsichtig. „Wölfe wandern weit, Wölfe kommen und gehen“, sagt er. Vorwürfen baut er vor: „Es ist unerfreulich – wenn ein Wolf verschwindet, dann waren's die Jäger.“
Agrarminister Till Backhaus (SPD) hat in Schwerin die Grundzüge eines Managementplans zum Umgang mit dem Wolf vorgestellt, von dem einzelne Exemplare oder Spuren seit 2006 wiederholt im Land gesichtet wurden. Auch einige Schafe sind dem streng geschützten Tier schon zum Opfer gefallen. Der Plan sieht unter anderem Zuschüsse für Schäfer vor, die ihre Herden mit speziellen Zäunen, Ställen oder Hunden schützen wollen. Sollte ein Wolf ein Nutztier reißen, gibt es Entschädigung. Im Landeshaushalt sind für Vorbeugemaßnahmen und mögliche Entschädigungen 150 000 Euro eingeplant.
Der Jagdverband habe eigene Vorschläge bei der Erarbeitung des Wolf-Managementplans eingebracht, sagt Krüger. „In Sachsen wurden die Jäger ausgesperrt, das war ein Fehler“, betont er. Vertrauenspersonen sollen ausgebildet werden, um Jäger zu beraten, die meinen, ein Wolf sei in ihrem Revier. „Der Umgang mit dem Wolf muss versachlicht werden“, fordert Krüger. Mancher leide immer noch am „Rotkäppchen-Syndrom“. Entschädigungen für Jäger für vom Wolf gerissenes Wild sieht der Managementplan indes nicht vor, denn Wild gilt als herrenlos, bis es geschossen ist.
Norman Stier zufolge braucht ein Wolf täglich vier Kilogramm Fleisch. „Ein Rudel von acht bis zehn Tieren frisst schon was“, sagt er, fügt aber hinzu, dass dies auf einer Fläche von etwa 300 Quadratkilometern geschehe. Rehe und andere Beutetiere werden schreckhafter, wenn ein Großraubtier anwesend ist. Allerdings, meint Stier, fügen Jäger, die gegen den Wolf vorgehen, der ganzen Jägerschaft einen großen Image-Schaden zu. „Der Bürger sieht das sehr kritisch." Und dass ganze Wolfsrudel unterwegs wären - davon sei Mecklenburg-Vorpommern noch weit entfernt. Als gesichert gelten derzeit zwei Tiere in der Ueckermünder Heide an der Grenze zu Polen, ein neuer Wolf seit März 2008 in der Lübtheener Heide sowie zwei Tiere, die zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg hin- und herwechseln. Bundesweit, so schätzen Experten, gibt es in freier Wildbahn inzwischen wieder etwa 35 Wölfe. (dpa/mv)
Mecklenburg-Vorpommern
Der Wolf erobert den Nordosten zurück!
Die Wölfe kehren zurück nach Mecklenburg-Vorpommern, und das Land hilft ihnen dabei - mit einem "Managementplan". 2009 sind die Tiere bereits in vier Regionen im Nordosten gesichtet worden, wie Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) am Mittwoch in Schwerin mitteilte.
Es habe sich jeweils um ein oder zwei Tiere gehandelt, die in der Lübtheener Heide, der Kyritz-Ruppiner Heide, der Ueckermünder Heide und in der Prignitz gesehen worden seien, sagte Backhaus. Offenbar hätten die Wölfe in den betroffenen Gebieten zwar Wild erlegt, Haus- oder Nutztiere aber verschont. Backhaus wies darauf hin, dass Wölfe sehr scheu seien und nicht in Vorgärten oder Hinterhöfen der Städte und Siedlungen auftauchten.
"Managementplan": Entschädigung für gerissene Schafe
Um die Zukunft der grauen Jäger nicht mehr dem Zufall zu überlassen, hat Backhaus am Mittwoch einen "Managementplan" vorgestellt. Darin sind unter anderem Zuschüsse für Schäfer vorgesehen, die ihre Herden mit speziellen Zäunen, Ställen oder Hunden schützen wollen. Sollte ein Wolf ein Nutztier reißen, soll es eine Entschädigung vom Land geben. Im Haushalt seien 150.000 Euro dafür eingeplant.
Der Plan, der noch vom Landtag beschlossen werden muss, betreffe diejenigen Landkreise, in denen es sogenannte Wolfsbesiedelungen gebe. Backhaus nannte Ludwigslust, Parchim, Güstrow, Mecklenburg-Strelitz, Ostvorpommern und Uecker-Randow.
Wolfsroute führt durchs Land
Wölfe waren im Nordosten etwa hundert Jahre lang verschwunden, bevor es 2006 die ersten Hinweise auf eine Neubesiedlung gab. Laut Backhaus führt eine Wolfsroute von Polen nach Frankreich durch Mecklenburg-Vorpommern.
Stand: 09.12.2009
WOLFCENTER im Landkreis Verden
Ab April 2010 können Norddeutschlands Besucher eine in Europa einzigartige Attraktion erleben: Das WOLFCENTER im Landkreis Verden/Niedersachsen widmet sich ausschließlich dem Thema Caniden, in dem der Wolf die Hauptrolle spielt. Heute leben nur noch wenige Wölfe in der freien Natur Westeuropas. Offiziell seit 1904 nicht mehr in Deutschland lebend – bedingt durch die Ausrottung –, hat sich seit dem Jahr 2000 eine kleine Population in Sachsen gegründet. Die Wölfe dieser Gründerpopulation stammen aus Westpolen und breiten sich seit dem langsam in Deutschland nachweislich aus. Heute verzeichnen Biologen bereits über fünf freilebende Rudel in Sachsen und Brandenburg.
Mit der Gründung des 5,2 Hektar großen WOLFCENTER wird ein Unternehmen im Bereich der Umweltbildung und des Naturtourismus geschaffen. Das WOLFCENTER macht es sich zur Aufgabe, intensiv, umfassend, objektiv und ausschließlich über Verhalten, Lebensraum, soziale Struktur, Jagd und Schutz der Wölfe zu informieren. Im bewaldeten Außenbereich treffen die Besucher auf die gesicherten Gehege. Hier werden in dieser ersten Ausbaustufe zwei Rudel (jeweils vier bis fünf Tiere) europäischer Wölfe leben.
In der großen Dauerausstellung werden die Besucher selbst aktiv. Echte Präparate, erstaunliche Fotografien und bewegte Bilder vermitteln einen direkten Einblick in das Leben von Wölfen. Seminare, tägliche Schaufütterungen mit parallelen Kurzvorträgen, Wolfsnächten, Studienreisen, Familiencamps und anderen Angeboten werden Denkanstösse hervorgehoben und bieten somit die Möglichkeit, Standpunkte hinsichtlich freilebender Wölfe zu überdenken und eine eigene Meinung zu bilden. Ein Miteinander zwischen Menschen und Wölfen ist in Deutschland möglich.
Niedersachsen
Schuss auf Wolf kommt Jäger teuer zu stehen
Ein Wolf steht auf einem Felsvorsprung © dpa/picture alliance
große Bildversion anzeigen Experten vermuten, dass nur 35 Wölfe in Deutschland heimisch sind. (Archivfoto)
Das Amtsgericht Dannenberg hat einen 53 Jahre alten Jäger für einen Schuss auf einen Wolf im Wendland zu einer Geldstrafe von 1.000 Euro verurteilt. Außerdem muss er sein Gewehr abgeben, wie NDR 1 Niedersachsen am Freitag berichtete. Der Mann hatte das bereits von einem anderen Jäger getroffene Tier bei einer Jagd vor zwei Jahren in der Nähe von Gedelitz (Landkreis Lüchow-Dannenberg) angeschossen. Nach eigenen Angaben wollte der 53-Jährige das bereits am Boden liegende Tier von seinem Leiden erlösen, doch die abgefeuerte Kugel tötete es nicht. Erlegt wurde der Wolfrüde schließlich von dem Jäger, der auch den ersten Schuss abgegeben hatte. Gegen ihn läuft ein separates Verfahren. Wölfe sind streng geschützte Tiere, auf die nicht geschossen werden darf.
Jäger müssen Behörden verständigen
Naturschützer vermuten, dass der Wolf auf "Brautschau" im Wendland unterwegs war und aus Ostdeutschland stammte. Nach dem Vorfall wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus dem Umweltministerium, der Landesjägerschaft, den Forstbehörden und Landkreisen eingerichtet. Ziel ist es, weitere Abschüsse von Wölfen zu verhindern. Auflage für die Jäger ist es, beim Antreffen eines verletzten Wolfes unverzüglich die Polizei oder den zuständigen Amtstierarzt zu verständigen. Experten schätzen den Bestand in Deutschland auf 35 Tiere.
Stand: 27.11.2009 12:25
Der Wolf Shop
Der Wolf als Kunstwerk in der Art Edition!
- Wieder ein Rudel mehr in der Lausitz
Rietschen 25-09-2009 - Es gibt inzwischen sechs Wolfsrudel in der Lausitz, so die jüngste Meldung des Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz. Anfang August gelangen den Biologen des Wildbiologischen Büro LUPUS Film- und Fotoaufnahmen von Welpen in der Nähe von Spremberg/Brandenburg. Außerdem ergab das intensive Monitoring, dass sich ein Rudel mit Welpen südlich von Sabrodt in der Nähe der Erlebniswelt "Terra Nova" aufhält. Hatte das Neustädter Rudel sein Territorium nach Norden verlagert und wanderte dann mitsamt Nachwuchs von seinem alten Kerngebiet zum Neuen? Das wäre ein sehr ungewöhnliches Verhalten, meinte Sebastian Koerner von LUPUS noch vergangene Woche, aber auszuschließen sei es natürlich nicht. Doch dann ergab eine vergleichende Analyse von Filmaufnahmen, dass die Tiere des Spremberger Rudels nicht zu einem der bereits bekannten Lausitzer Rudel gehören - es hat sich also ein ganz neues Rudel gebildet.
Neben dem Wolfspaar in der Zschornoer Heide, das nach wie vor keine Welpen hat, lebt also nun in Südbrandenburg auch ein Wolfsrudel. Die anderen fünf Rudel haben ihr Territorium nach wie vor in Sachsen, wobei das Daubitzer Revier teilweise auch jenseits der Neiße in Polen liegt. Insgesamt sind 24 Welpen in der Lausitz nachgewiesen, nur vom Daubitzer Rudel wissen die Biologen noch nicht, ob es Welpen führt.
Welzheim
Einst ist er hierzulande ausgerottet worden. Heute kennt man den Wolf bei uns in erster Linie aus dem Märchen. Doch die Vorurteile über ihn haben sich gehalten. Die Gebrüder Grimm hätten dafür gesorgt, dass das Rudeltier hierzulande noch immer als gefährlich und unberechenbar gelte, sagt der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk. Inzwischen steigt die Wolfspopulation Europa wieder an, die Rudeltiere breiten sich aus.
"Man darf den Respekt vor
dem Wolf nie verlieren."
Astrid Szelest über das Wildtier Wolf
Im Jahr 2000 konnten sie in Sachsen Fuß fassen, Wölfe leben auch in Südfrankreich und Italien, gerade einmal 300 Kilometer entfernt. Damit, sagt der Minister, sei man zum "Wolfserwartungsland" geworden. Nun sei es an der Zeit, die Bevölkerung im Land auf das Auftauchen der Tiere vorzubereiten. Astrid und Rüdiger Szelest können dabei gute Dienste leisten. "Wir haben uns in Kirgisien mit dem Wolfsvirus infiziert", erzählt Rüdiger Szelest. "Der Ruf der Wölfe, er ging uns durch Mark und Bein, im positiven Sinn", sagt das Ehepaar aus Welzheim im Rems-Murr-Kreis.
Und weil sie zu den Menschen gehören, die gerne zupacken, hat sie ihre Begeisterung für den Wolf im Jahr 2007 nach Russland, zu Wladimir Bologow, geführt. Der Biologe und Wolfsexperte, der das Verhalten der Wölfe erforscht und sich für deren Schutz einsetzt, ist auf Hilfe dringend angewiesen, denn in seiner Heimat hat es der Wolf schwer. "Die Wolfsjagd ist in Russland sehr populär", weiß Astrid Szelest. Kein Wunder, denn Jäger erhalten eine Prämie vom Staat, wenn sie ein Tier erlegen. Bologows Ziel aber ist, dass Wölfe unter gesetzlichen Schutz gestellt werden. Rüdiger Szelest bezeichnet den Biologen als "russischen Don Quichotte", der einen fast aussichtslosen Kampf gegen Windmühlen führe.
Wölfe könnten bald in unserer Nachbarschaft leben
Doch weder Bologow noch die Szelests lassen sich entmutigen. Der Russe kauft Jägern Wolfswelpen ab und sorgt dafür, dass sie in einem rund 1,5 Hektar großen Gehege geschützt aufwachsen können. Wenn sie geschlechtsreif sind, werden die Tiere in einem 35 Quadratkilometer großen Reservat ausgewildert. Und die Welzheimer sammeln in Deutschland Spenden für das Projekt, klären über den Wolf auf und fahren regelmäßig nach Russland, um Bologow zu unterstützen.
"Man braucht keine Angst vor Wölfen zu haben, aber man darf den Respekt nie verlieren", sagt Astrid Szelest. "Er ist und bleibt ein unberechenbares Wildtier." Von ihrer Aufklärungsarbeit in Deutschland weiß die 40-Jährige nur zu gut, dass der Wolf sehr gemischte Gefühle bei Menschen auslöst. Einerseits zieht er sie in seinen Bann, andererseits macht er ihnen Angst. Weil die Szelests zeigen wollen, dass Mensch und Wolf gut miteinander leben können, haben sie ein Konzept entwickelt, das insbesondere Kindern den Wolf näherbringen soll. Da passt es gut, dass Astrid Szelest im Backnanger Amt für Familien, Jugend und Bildung arbeitet.
Mit ihrem Mann tourt sie durch Schulen und Büchereien und erzählt vom Wolf, seiner Intelligenz und seinem Sozialverhalten. Bis zum Starnberger See sei ein Wolf bereits gewandert, sagt Rüdiger Szelest. Noch sei es den meisten hierzulande gar nicht bewusst, dass Wölfe bald in unserer Nachbarschaft leben könnten. "Die Menschen sind noch offen, deshalb ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um aufzuklären und auf sachlicher Ebene mit Jägern, Landwirten und Naturschutzverbänden zu diskutieren." So bleiben die Szelests trotz ihrer Sehnsucht nach der Taiga in Deutschland: "Hier können wir viel mehr bewegen." Im Rems-Murr-Kreis haben sie jetzt eine Themenwoche zum Wolf auf die Beine gestellt, die demnächst beginnt.
Vorträge und Filme
Eine Themenwoche widmet sich anlässlich des Besuchs des russischen Wolfsforschers Wladimir Bologow vom 15. bis zum 21. November dem Wolf. Am Sonntag um 15 Uhr erzählt Armin Rauser in der Hagmühle Alfdorf Wolfsgeschichten für Kinder und Erwachsene. Am Dienstag um 19 Uhr findet im Bürgerhaus Waiblingen-Hohenacker ein Vortrag statt. Am Samstag, 21. November, gibt es in der Hagmühle Alfdorf einen Familiennachmittag, bei dem gebastelt wird, außerdem ist um 15 und 17 Uhr der Film "Der den Wolf versteht" zu sehen, der den Wolfsforscher Wladimir Bologow vorstellt. Der Eintritt ist frei. anc
Wissenswertes rund um den Wolf lockt ins Museum
Bad Liebenwerda Immer mit der Ruhe, scheint Professor Matthias Freudes Handlungsempfehlung zu sein, wenn es um den Wolf geht. „Der Wolf ist da, und das ist keine Sensation“, sagte der Präsident des brandenburgischen Landesumweltamtes (LUA) vergangenen Donnerstagabend im Kreismuseum Bad Liebenwerda, wo er gemeinsam mit Landrat Klaus Richter (SPD) und Naturparkleiter Lars Thielemann die Ausstellung „Wolf & Mensch.
Freude zufolge gibt es in Brandenburg sieben bis acht Wölfe mit festem Territorium. Bis zu 18 Tiere seien es, wenn man jene mitzählt, die ohne festes Revier durch Flur und Wälder streifen. Nehme man es genau, sei der Wolf nie weggewesen aus Brandenburg. „Zu DDR-Zeiten sind an die 50 Wölfe geschossen worden“, verdeutlichte der LUA-Präsident.
Das Problem sei aktuell, dass es häufig nur Extremmeinungen über den Wolf gebe: Da sind jene, die im Wolf das grausame Raubtier sehen, das unkontrolliert Schafe reiße. Und da sind andere, die den Wolf zum „Kuscheltier“ erklären. „Beide Meinungen sind ungeeignet“, erklärte Freude. Erfahrungen aus anderen Ländern, in denen der Wolf nie ausgerottet wurde, zeigen, dass der Mensch keine Angst vor Isegrim zu haben braucht. Zugleich müsse man jedoch festhalten, dass Nutztiere durchaus ins Beuteschema der grauen Beutegreifer passen und Schäfer deshalb mit mehr Aufwand und Kosten konfrontiert sind, wollen sie Verluste in ihrer Herde ausschließen.
All jenen, die meinen, Brandenburg werde irgendwann unter einer „Überbevölkerung“ von Wölfen leben, hielt der Präsident entgegen, dass Wolfsrudel Reviergrößen von 220 Quadratkilometern benötigten – und demzufolge hunderte von Wölfen überhaupt nicht Platz in Brandenburg finden würden. „Aber Brandenburg ist – das wissen wir von Touristen, die keine Angst vor ihm haben – mit dem Wolf ein viel interessanteres Land.“
Wie Freude erklärte auch Landrat Richter, dass man das Thema Wolf unabhängig von Emotionen betrachten sollte und lernen müsse, mit dem Rückkehrer umzugehen. Naturparkleiter Lars Thielemann sagte, der Wolf sei Jahrhunderte lang für den Menschen Projektionsfläche gewesen, was sich in kulturellen Überlieferungen, Märchen und Mythen, aber auch in den vielen Vorurteilen niederschlage. Diese Beziehung zwischen Mensch und Wolf spiele in der Ausstellung, die vom Förderverein Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft und dem Kreismuseum Bad Liebenwerda erarbeitet wurde, eine wichtige Rolle.
In fünf Themenkomplexen widmet sich die Ausstellung, die vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz gefördert wurde, der aktuellen Situation des Wolfes in Deutschland und speziell in Brandenburg, den Spuren des Wolfes in Kultur und Geschichte, der Lebensweise des Raubtieres und den möglichen Konfliktpunkten und Möglichkeiten der Vermeidung von Konflikten. Sie ist ein halbes Jahr in Bad Liebenwerda zu sehen und wird dann drei Jahre lang in verschiedenen Orten in Brandenburg gezeigt.
Karsten Bär
Wolfswelpen in der Lausitz stammen von neuem Paar
Rietschen/Spremberg (ddp-lbg). Die im August bei Spremberg entdeckten Wolfswelpen stammen von einem neuen Lausitzer Wolfspaar. Wie das Kontaktbüro «Wolfsregion Lausitz» im sächsischen Rietschen am Freitag mitteilte, gibt es jetzt in der gesamten Lausitz sechs Wolfsrudel und ein seit Jahren jungenloses Wolfspaar. Ein Rudel und das Wolfspaar ohne Jungtiere leben im brandenburgischen Teil der Lausitz, fünf Rudel gibt es auf sächsischem Gebiet.
Durch ein umfangreiches Monitoring haben Wolfsexperten in dem Gebiet bei Spremberg sechs Welpen nachgewiesen. Die Anfang August erstmals durch das Wildbiologische Büro Lupus dokumentierten Jungtiere gehörten nicht zu einem der bisher bekannten sächsischen Rudel, sondern stammten von einem neuen Wolfspaar, hieß es.
Insgesamt konnten die Experten den Angaben zufolge bei den meisten Rudeln in der Lausitz je drei bis acht Welpen nachweisen. Insgesamt wurden 24 Welpen gezählt. Nur im Daubitzer Rudel in Sachsen stehe noch ein Nachweis von Welpen aus. Bei dem seit 2007 bekannten Zschornoer Wolfspaar in Brandenburg gebe es wie schon in den Vorjahren erneut keine Hinweise auf Welpen.
(ddp)
(Quelle: yahoo-Nachrichten vom 25.09.09)
Der Wolf Shop

Wolf auf Wanderschaft (Geo Tiere)
"Als wir vor Jahren eine Wölfin mit einem Sender ausgestattet hatten, mussten wir ihr mühsam mit einer Richtantenne im Gelände folgen - und konnten das Tier trotzdem nicht immer lokalisieren", sagt Gesa Kluth. Diese Zeiten sind passé. Die Wolfsforscherin und ihre Kollegin Ilka Reinhardt haben im März zwei zehn Monate alte Wölfe aus der Oberlausitz mit Sendehalsbändern versehen, deren Signale vom nächsten Mobilfunkmast empfangen werden. Die GPS-Daten ihrer Aufenthaltsorte werden als SMS in den Computer im Wildbiologischen Büro LUPUS übertragen.
Die Ergebnisse haben selbst die Wolfsexpertinnen überrascht. Denn offenbar legen die Tiere zuweilen sehr lange Wege zurück. Einer der beiden Rüden lief vom Truppenübungsplatz Oberlausitz, wo die aus Polen eingewanderten "deutschen" Wölfe seit rund zehn Jahren leben, nach Westen. Im Schutz der Dunkelheit überquerte er ein Autobahndreieck und war am westlichsten Punkt seiner Erkundungstour 150 Kilometer von zu Hause entfernt. Erst nach knapp drei Wochen kehrte das Tier auf dem gleichen Weg zu seinem Rudel zurück.
Wölfe können überall auftauchen
Noch viel weiter wanderte der Bruder des jungen Reisenden. Im Alter von knapp einem Jahr, noch vor der Geschlechtsreife, überquerte er die Neiße und streifte in nordöstlicher Richtung durch Polen. Nachts lief er durch Felder und an Dörfern vorbei, während er tagsüber in kleinen Wäldchen Zuflucht suchte - ein Zeichen dafür, dass die Tiere eine natürliche Scheu vor Menschen haben.
Inzwischen hat der Wolf Polen vollständig durchquert. Er hielt sich Anfang Juli 2009 im Grenzgebiet von Weißrussland und Litauen auf - etwa 650 Kilometer von seiner Heimat in der Lausitz entfernt. Es gibt keinen Grund, weshalb die Tiere nicht auch in anderer Richtung so weit ausschweifen könnten. "Im Prinzip kann jederzeit überall in Deutschland ein Wolf auftauchen", sagt Ilka Reinhardt.
- Umweltschützer fordern strengeren Schutz des Wolfes
8. September 2009
Der NABU hat erstmals ein umfassendes Rechtsgutachten zum Schutzstatus des Wolfes in Deutschland vorgelegt. „Der Wolf ist mit circa 50 Tieren noch eines der seltensten Säugetiere Deutschlands. Seine Tötung stellt einen schwerwiegenden Verstoß gegen den Artenschutz dar und ist streng zu ahnden“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Das Gutachten sei vor allem auch mit Blick auf die Debatte um das rechtliche Strafmaß und Vorgehen bei illegalen Wolfsabschüssen erstellt worden.
Im dem am Dienstag in Berlin präsentierten 102 Seiten umfassenden Rechtsgutachten der Kanzlei Caspers & Mock, Koblenz, wurde untersucht, in welchem Maße die vorhandenen nationalen und internationalen rechtlichen Vorgaben den Schutz der Wölfe in Deutschland aktuell gewährleisten. Dabei wurden neben den strafrechtlichen, auch die Konsequenzen im Jagd- und Waffenrecht beleuchtet. Die naturschutzrechtliche Vorschrift des Bundesnaturschutzgesetzes (§66 BNatSchG) sieht bei „Zugriffen“ Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor. Eine Strafbarkeit ist auch schon bei Vorbereitungshandlungen wie dem Nachstellen, Fallen aufstellen oder dem bewaffneten Durchstreifen des Reviers mit der Absicht einen Wolf zu erlegen gegeben. Auch könne die „Sammelleidenschaft“ bestraft werden, wenn das Tier als „Trophäe“ dienen soll. Sowohl der Schutz des Wolfes als auch die Koexistenz mit dem Menschen sei durch das bestehende Recht gewährleistet, so das Ergebnis. Auch das Jagdrecht biete keine bessere Unterstützung für Wolf und Mensch.
Die Erklärung der heimischen Wölfe zu jagdbarem Wild wäre nach Auffassung der Rechtsexperten derzeit ein nicht gerechtfertigter Eingriff in ihren Schutzstatus nach nationalem und internationalem
Recht. „Die bislang erfreulichen Nachrichten über den Wolfsnachwuchs in der Lausitz können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hier lediglich um fünf sich fortpflanzende Paare handelt. Damit ist der Wolf in Deutschland immer noch akut vom Aussterben bedroht“, betonte NABU-Artenschutzexperte Magnus Herrmann.
Rechtliche Spekulationen beenden
Zuletzt sei vor allem in Sachsen über die rechtliche Zukunft und Stellung des Wolfes spekuliert worden. Der NABU hatte bereits mehrfach an alle Beteiligten appelliert, die Bemühungen zum Schutz des Wolfes auf eine konstruktive Mitarbeit in den Gremien des sächsischen Wolfsmanagements zu konzentrieren und den gegenwärtigen rechtlichen Status des Wolfes unverändert zu lassen.
„Ich möchte daran erinnern, dass auch die Jagdverbände als anerkannte Naturschutzverbände den Auftrag haben, alle Maßnahmen zum Artenschutz des Wolfes aktiv zu unterstützen. Eine jagdrechtliche Regelung ist daher gar nicht notwendig, um sich beim Schutz der streng geschützten Tierart Wolf einzubringen“, so NABU-Präsident Tschimpke. Das Rechtsgutachten ist als Kurzfassung und in voller Länge im Internet als Download zu finden unter www.NABU.de/wolf
150 Jahre war der Wolf ausgestorben
Erstmals seit 150 Jahren gibt es wieder Wölfe in Deutschland. Der NABU begleitet die Rückkehr der Wölfe mit dem Projekt „Willkommen Wolf!“. Er informiert über Wölfe, setzt sich für den Erhalt ihrer Lebensräume ein und unterstützt den Aufbau eines ehrenamtlichen Netzwerkes von Wolfsbetreuern.
Autor/in: Horst Schinzel
- Der Wolf wird normaler Bestandteil unseres Lebens in Deutschland.
Anlässlich der erfolgreichen Rückkehr des Wolfes nach Deutschland hat der NABU heute die weiteren Schritte zum Schutz des seltenen Rückkehrers in einem Positionspapier zusammengefasst. „Denn was vor zehn Jahren noch undenkbar war, ist heute Realität: mittlerweile sind alle Bundesländer Deutschlands in erreichbare Entfernung von Wölfen gerückt“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke anlässlich der Veröffentlichung des Papiers. „Damit sind sie auf einem guten Weg, normaler Bestandteil von Deutschlands Tierwelt zu werden.“
Obwohl der Großteil der Bevölkerung die Rückkehr des Wolfes begrüßt, gibt es jährlich Fälle, in denen illegal auf den Wolf geschossen wird. „Auch im Wahlkampf werden Stimmen laut, die bei nur 50 Tieren in ganz Deutschland den Abschuss des seltenen Säugetieres Deutschlands verlangen. Daher ist es nötiger denn je, sich gemeinsam engagiert für den Wolf einzusetzen“, betonte Tschimpke.
„Die rege Kommunikation zu dem Thema mit den NABU-Gruppen bundesweit zeigt, dass die Rückkehr des Wolfes viele Fragen aufwirft, die die Menschen bewegen und nach ehrlichen Antworten und praktikablen Lösungen verlangen“, so Magnus Herrmann, NABU-Referent für Natur- und Artenschutz. Der NABU informiert deswegen mit dem Positionspapier nicht nur über die aktuelle Lage des Wolfes, sondern formuliert auch die zukünftigen Herausforderungen und macht konkrete Vorschläge für den Umgang des Menschen mit dem faszinierenden Wildtier Wolf. Es gelte beispielsweise, gemeinsam bessere Wege zu finden, die auch die für die Pflege selten gewordenen Trockenrasen und Heiden unverzichtbare Schäferei beim Schutz ihrer Tiere besser unterstützen, aber auch den Verbleib des Wolfes unter dem Schirm des Artenschutzes sicherstellen.
Die heute veröffentlichten Leitlinien verstünden sich daher auch ausdrücklich als Einladung an alle, die mit dem NABU zusammen konstruktiv um den besten Weg in die Zukunft für Mensch und Wolf ringen wollen.
Für Rückfragen:
Magnus Herrmann
NABU-Referent für Natur- und Artenschutz
Tel. 030-284984-1618
Der Wolf Shop
Von Alexander Fröhlich
Rudel statt Truppen
Von der zivilen Nutzung des Bombodroms profitieren auch die Tiere. Das zeigen Bilder des Landesumweltamtes. In Brandenburg leben inzwischen sieben Wölfe. Fast alle auf einstigen Übungsplätzen (25.07.09)
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Potsdam - Neues aus der wilden märkischen Heide: Erstmals kann das Landesumweltamt (LUA) Brandenburg „halbwegs verlässliche Zahlen“ zu Wölfen vorlegen. „Sieben oder acht Tiere leben hier fest im Land“, sagte Behördenpräsident Matthias Freude am Freitag den PNN. Zugleich gab er den PNN die beeindruckenden Bilder frei, mit denen dieser Text illustriert ist. Sie stammen von einer Fotofalle in der Kyritz-Ruppiner Heide auf dem sogenannten Bombodrom.
Dabei versteht Freude die Aufregung um Isegrim gar nicht. „Der Wolf war in Brandenburg nie richtig weg. Man hat zwar im Jahr 1804 den letzten Wolf geschossen, aber er ist immer wieder da.“ Allein zu DDR-Zeiten sollen 50 Tieren geschossen worden sein, die meisten davon auf dem Gebiet des heutigen Landes Brandenburg.
Inzwischen hat das Tier von der Lausitz aus neuen Lebensraum im Norden des Landes gefunden. In der Zschornauer Heide (Spree-Neiße) lebt ein Wolfspaar, das im Gegensatz zu den drei Rudeln auf sächsischer Seite der Lausitz seit drei Jahren keinen Nachwuchs bekommt.
Auf dem früheren Truppenübungsplatz Jüterbog (Teltow-Fläming) hat eine Fotofalle ein weiteres Exemplar nachgewiesen. „Nach den Fährten zu urteilen sind es aber sicher zwei“, sagte Freude.
Eine weitere Fotofalle hat bereits mehrmals einen Wolf auf der Kyritz-Ruppiner Heide bei Wittstock abgelichtet. „Vor zwei Wochen hat ein Bundesförster das Tier aus 20 Metern Entfernung sogar beobachtet“, erzählt der Umweltamtschef. Bereits vor knapp einem Jahr war bekannt geworden, dass auf dem Bombodrom-Gelände ein Wolf seine Runden dreht. Unklar war, ob er nur auf Durchreise ist. Fest steht nun, dort hat sich ein Rüde dauerhaft niedergelassen. Alle drei bis fünf Wochen tappt er an einer Tränke in die Fotofalle. Wer weiß, vielleicht kommt bald ein Weibchen aus der Sachsen hinzu.
Freude schwärmte jedenfalls von „wunderbaren und ganz besonderen Aufnahmen“ und ärgert sich immer noch über den Wilderer, der, wie gestern berichtet, in der Vorwoche die Fotofalle gestohlen hat. Die Bilder zeigen, wie lebendig die Tierwelt auf dem Gelände ist, auf dem die Bundeswehr seit 1993 nicht üben durfte, bis sie vor zwei Wochen darauf ganz verzichtet hat.
Nebenan, auf dem früheren Truppenübungsplatz Jännersdorfer Heide zwischen Meyenburg (Prignitz) und Parchim (Mecklenburg) ist noch ein ganz besonders starker Rüde unterwegs – gewissermaßen der Problemwolf unter den märkischen Isegrims. Während seinem Nachbar aus der Gegend um Wittstock das reichhaltige Angebot an Wildtieren genügt, hat der Jännersdorfer bereits mehrfach Schafe gerissen. Und zwar kurz hinter der Landesgrenze in Mecklenburg-Vorpommern. Laut Freude ist es „der einzige Wolf in Brandenburg, der es bislang gewagt hat, Elektrozäune von 1,10 Metern Höhe zu überspringen.“ Völlig unüblich sei das. Aber dieser Wolf, der auf dem einst westlichsten Luft-Boden-Übungsplatz der Warschauer-Vertrags-Staaten lebt, ist ein ganz schlauer. „Er hat Maulwurfshügel als Sprungbrett benutzt.“ Das Landesumweltamt hat reagiert, nun ist der Elektrozaun 1,40 Meter hoch. Seither wurde kein Schaf mehr gerissen.
In diesem Jahr waren es insgesamt sieben gerissene Schafe, allesamt im Frühjahr. 1800 Euro gab es als Entschädigung dafür. „Wir zahlen etwas mehr als den Fleischpreis“, so Freude. Im Jahr 2007 zählte er nur vier gerissene Schafe, im vergangenen Jahr waren es 60 Schafe und zwei Ziegen. Die Kosten für das Land: rund 10 000 Euro. Aber nicht alles, wofür gezahlt wurde, war ein Wolfsopfer, so Freude: „In den meisten Fällen waren es verwilderte Hunde.“
Auch die Schäfer reagieren auf die wachsende Population. Rund ein Dutzend Herdenschutzhunde auf Italien haben sie sich über ein Förderprogramm beschafft. „Die sind richtig scharf, da kommt kein Wolf mehr hin“, sagt Freude.
Neuerdings entwickelt sich auch der Fläming zum „Wolfserwartungsland“, wie es Freude nennt. Dort vermuten die Forscher ein Wolfspaar mit Jungen, der tappsige Nachwuchs wurde auch schon in Sachsen-Anhalt abgelichtet. Erst kürzlich wurde auf märkischer Seite ein Damhirsch gerissen. Allerdings ist laut Freude im Juni am Nordrand des Fläming auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Altengrabow in Sachsen-Anhalt ein Wolf illegal geschossen worden. Ob es sich um den Rüden aus dem Fläming handelt, ist aber nicht bekannt.
Zunehmend werde die illegale Jagd zum Problem – der Wolf gilt einigen in Sachen Wildfleisch als Konkurrent. Nach der Wende sind 65 Tiere illegal geschossen und drei überfahren worden. „Die Dunkelziffer dürfte höher liegen“, erklärte Freude. Wie es aus Jägerkreisen hieß, gilt beim Wolf inzwischen das Motto „SSS“ – Schießen, Schaufeln, Schweigen.
Freude sagt dazu nur: „Der Wolf kommt immer wieder. Irgendwann sollte man ihn als Normalität anerkennen. Er gehört hier einfach dazu.“
Monitoring von Großraubtieren in Deutschland 2009 (pdf)
- Der Wolf findet offenbar Gefallen an der Umgebung Berlins: In der Lausitz und im Fläming wurden Rudel entdeckt. Auch in Jüterborg leben Jungtiere.
Senftenberg - Beobachtet wurden jüngst nicht nur Einzelexemplare, die auf der Suche nach neuen Revieren die Wälder rund um die Hauptstadt durchstreifen. Es siedeln sich inzwischen ganze Familien mit reichlich Nachwuchs in südlicher, südwestlicher und westlicher Richtung an. Zwar sind deren Lebensmittelpunkte noch zwischen 80 und 120 Kilometer von der Berliner Stadtgrenze entfernt, doch ein Wolf legt auf der Nahrungssuche bis zu 60 Kilometer täglich zurück.
„In der Südlausitz lebt jetzt ein neues Rudel“, sagte Brandenburgs Agrarminister Dietmar Woidke (SPD) gestern. „Ein beherzter Revierförster zückte im richtigen Augenblick sein Handy und machte zwei Fotos von spielenden Welpen.“ Experten des wildbiologischen Büros „Lupus“ seien deshalb gleich in das Tagebaugebiet in der Nähe von Senftenberg gefahren. Vor zwei Tagen stießen sie ebenfalls auf die Wolfsfamilie. „Vier Welpen gehören zu diesem Rudel.“ Möglicherweise haben sich diese sechs Wölfe aus dem nahen Sachsen nach Norden abgesetzt. Dort hatten sich vor einem Jahrzehnt die ersten Wölfe nach ihrer faktischen Ausrottung vor 150 Jahren auf recht unsanfte Weise bemerkbar gemacht. Sie rissen bei Tierhaltern unweit der sächsisch-brandenburgischen Landesgrenze mehrere Schafe und verängstigten die Anwohner.
Im Jahr 2000 wurde der erste Wolf wieder in Brandenburg angesiedelt. Das auf „Naum“ getaufte Exemplar löste eine erstaunliche Sympathiewelle aus. Nachdem aber später wiederholt Fotos von gerissenen Schafen und Hirschen veröffentlicht worden waren, wandelte sich die Einstellung der Menschen. Im Süden Brandenburgs lebt in der Zschornoer Heide bei Bad Muskau schon seit 2007 ein Wolfspaar, allerdings ohne Nachwuchs.
Fotofallen bestätigten jetzt im Fläming auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow bei Ziesar, unweit der Autobahn A 2 Berlin-Hannover, die Existenz einer Wölfin mit drei Jungtieren. Deren Vater wurde kürzlich höchstwahrscheinlich bei einer Rehwildjagd versehentlich erschossen. Wie groß der Hunger dieser Tiere ist, zeigte der Angriff auf einen Damhirsch in der Nähe von Reppinchen im Kreis Potsdam-Mittelmark. „In der Regel jagen Wölfe Frischlinge und Kitze und keinen Geweihträger“, sagte ein Experte des Naturschutzbundes.
Auch rund um das nur 80 Kilometer von Berlin entfernte Jüterborg soll es ein Rudel mit drei Jungtieren geben. Mehrere Augenzeugen meldeten entsprechende Begegnungen. „Hier steht die offizielle Bestätigung noch aus“, heißt es im Agrarministerium. In Brandenburg dürften damit derzeit 16 erwachsene und junge Wölfe leben. In der angrenzenden sächsischen Lausitz sind fünf Rudel nachgewiesen, von denen drei auch Welpen aufziehen.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 08.08.2009)
31.07.2009
Eine aus Mitgliedern der AG Luchs bestehende Arbeitsgruppe erstellt unter Leitung des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum (MLR) im Jahr 2009 einen "Handlungsleitfaden für das Auftauchen einzelner Wölfe in Baden-Württemberg". Die nächstgelegene Wolfs-Population lebt in den französisch-italienischen Alpen in rund 250 Kilometer Entfernung, von wo aus schon seit Jahren einzelne Tiere in Richtung Norden abwandern. Vor allem junge männliche Wölfe (Rüden) sind sehr wanderfreudig und legen mitunter in kurzer Zeit Distanzen von mehreren hundert Kilometern zurück. Von einem ersten Nachweis eines solchen Tieres bis zur Etablierung eines Familienrudels vergehen in der Regel allerdings mehrere Jahre. Die nördlichsten Nachweise einzelner Tiere stammen aus dem Kanton Luzern, wo im Frühjahr 2009 ein Wolf fotografisch und genetisch bestätigt werden konnte. (http://www.kora.ch/news/archiv/20090415.htm)
Die Rückkehr des Wolfes weckt bei den Betroffenen starke Emotionen und führt erfahrungsgemäß zu einem erheblichen öffentlichen Aufsehen, das im Ernstfall ein rasches Handeln von Verwaltung und Politik erfordert. Im "Handlungsleitfaden Wolf" sollen daher schon vor dem Auftauchen des ersten Wolfes im Land folgende Punkte geregelt und mit Interessenvertretern der Nutztierhaltung, der Jagd und des Naturschutzes abgestimmt werden:
* Behördliche Zuständigkeiten und Kommunikationswege im Land
* Monitoring von einzelnen Wölfen
* Schadensausgleich für den Fall von Rissen an Nutztieren
* Umgang mit auffälligen Wölfen
* Öffentlichkeitsarbeit
Ein Ablaufschema regelt insbesondere die behördlichen Zuständigkeiten und das konkrete Vorgehen bei den ersten Wolfsnachweisen. Darüber hinaus wird der Leitfaden Informationen zur Biologie und Verbreitung, dem rechtlichen Status des Wolfes und Adressen von wichtigen Ansprechpartnern enthalten. Der Entwurf des Leitfadens soll nach Fertigstellung von der AG Luchs diskutiert werden. Er soll noch 2009 vom Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Im Rahmen einer Verwaltungsvorschrift behördenverbindlich veröffentlicht werden.
Potsdam (ddp-lbg) In Brandenburg leben derzeit mindestens sechs Wölfe Mittlerweile seien diese Tiere auch auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog heimisch, teilte das Umweltministerium am Freitag in Potsdam mit Dort leben derzeit zwei Wölfe.
Potsdam (ddp-lbg). In Brandenburg leben derzeit mindestens sechs Wölfe. Mittlerweile seien diese Tiere auch auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog heimisch, teilte das Umweltministerium am Freitag in Potsdam mit. Dort leben derzeit zwei Wölfe. Der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, betonte: «Wölfe waren und sind Normalität in Brandenburg.» Auf dem Gebiet des Landes habe es immer Wölfe gegeben. Zwar habe es immer wieder Berichte über das Aussterben der Tiere gegeben, doch sei der Wolf nie wirklich weg gewesen.
Freude zufolge lebt derzeit ein Wolfspaar in der Zschornoer Heide im Süden Brandenburgs. Die Tiere wurden vor drei Jahren erstmals dort nachgewiesen. Bislang hatten sie keine Jungen. Einen Wolf gibt es auf dem einstigen Truppenübungsplatz Jännersdorfer Heide in der Prignitz. Dieses Männchen sei ein sehr aktiver Schafsjäger gewesen, sagte Freude. Ungewöhnlich für einen Wolf, habe er ohne Probleme samt Beute einen 1,10 Meter hohen Elektrozaun übersprungen. Zum Schutz der Schafherden gebe es jetzt einen 1,40 Meter hohen Elektrozaun. Zudem habe das Landesumweltamt die Anschaffung von italienischen Herdenschutzhunden unterstützt.
Ein in der Kyritz-Ruppiner Heide lebender Wolf findet dagegen offenbar genug Futter auf dem Gebiet des als «Bombodrom» bekannten ehemaligen Truppenübungsplatzes. Er habe schon länger kein Schaf mehr gerissen, sagte Freude. Erst vor eineinhalb Wochen sei das Tier von einem Förster aus nur 20 Meter Entfernung gesichtet worden.
Neuerdings gibt es nun auch auf dem früheren Truppenübungsplatz Jüterbog Wölfe. Erstmals hatte den Angaben zufolge im Frühjahr der aus einem sächsischen Rudel stammende Jungwolf Karl die Aufmerksamkeit auf das Gebiet im Kreis Teltow-Fläming gelenkt. Das Areal gehört heute zur Stiftung Naturlandschaften Brandenburg. Karl trägt einen Sender, seine GPS-Daten verrieten, dass er sich im Frühjahr bei einem zweieinhalbwöchigen Ausflug durch Brandenburg auch bei Jüterbog aufhielt.
Inzwischen ist klar, dass Karl dort nicht allein war. Bei regionalen Kartierungen durch Revierförster und Mitarbeiter des Naturparks Nuthe-Nieplitz wurden frische Wolfsspuren gefunden, die nicht von Karl stammen konnten, da der wieder in seine sächsische Heimat zurückgekehrt war. Aufgrund der Spuren bauten Experten des Landesumweltamtes ein gezieltes Monitoring auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog auf. Dabei werden unter anderem Fotofallen eingesetzt. Aufgrund der gesammelten Daten sind sich die Experten sicher, dass auf dem Gebiet zwei Wölfe leben.
Mit einer solchen Fotofalle war vor wenigen Monaten auch der Wolf in der Kyritz-Ruppiner Heide erstmals gesichert nachgewiesen worden. Die 600 Euro teure Kamera wurde jedoch kürzlich gestohlen. Damit seien auch etwa 800 unersetzliche Bilder verloren, betonte Freude.
Neben den sechs in der Mark lebenden Wölfen, wandern auch immer wieder Wölfe aus den Nachbarländern nach Brandenburg. So waren Wölfe vom ehemaligen Truppenübungsplatz Altengrabow in Sachsen-Anhalt mehrfach auf Brandenburger Gebiet. Erst kürzlich wurde dort auf märkischem Gebiet ein Damhirsch von einem Wolf gerissen, wie der Präsident des Landesumweltamtes schilderte.
Für gerissene Schafe zahlt das Landesumweltamt seit 1994 einen Ausgleich an die Schäfer. Aufgrund verbesserter Schutzanlagen seien in diesem Jahr erst sieben Schafe gerissen worden, sagte Freude. Dafür seien 1800 Euro Entschädigung gezahlt worden. Im vergangenen Jahr waren noch 69 Schafe und zwei Ziegen getötet worden, dafür wurden insgesamt 10 000 Euro als Ausgleich gezahlt. Freude betonte jedoch, die wenigsten Schafe würden tatsächlich von Wölfen gerissen. Häufiger seien es wildernde Hunde, die Schafe und Ziegen angriffen.
Schöna/Nordsachsen (TZ). Über 140 Jahre ließ sich keines der Tiere in Deutschland blicken, seit etwa zehn Jahren kehren die Wölfe allmählich zurück. Experten rechnen damit, dass sie auch in den Landkreis Nordsachsen einwandern. Um sich darauf vorzubereiten, fand am Mittwoch eine Informationsveranstaltung in Schöna statt. Teilgenommen haben nicht nur Landrat Michael Czupalla (CDU), sondern auch Förster und Jäger. Der Vorsitzende des Jagdverbandes Oschatz schließt eine Einwanderung des Wolfes in die Dahlener und Annaburger Heide nicht aus.
„Wir müssen mit der Prognose leben, dass in unsere Region Wölfe einwandern und wir werden uns darauf vorbereiten“, so Czupalla. Derzeit leben die Raubtiere in der Lausitz – fünf Rudel mit insgesamt 40 bis 50 Wölfen in Sachsen und ein Wolfspaar in Brandenburg. Für Oschatz’ Jagdverbandsvorsitzenden Krause ist die Größe der Population einer der Gründe dafür, dass Wölfe auch die Dahlener Heide besiedeln könnten.
„Wann und wo genau das geschieht, steht in den Sternen. Aber geografisch gesehen, liegen die Gebiete Dahlener und Annaburger Heide am nächsten an der Lausitz. Die Population dort wächst, irgendwann werden sie wandern“, so Krause. Zudem benötigten die Raubtiere zusammenhängende Waldgebiete, die Dahlener Heide bietet etwa 12 000 Hektar. Jana Schellenberg, Leiterin des Kontaktbüros „Wolf in der Lausitz“, geht von einem Gebiet von 2000 Quadratmetern aus, die die Wölfe in der Lausitz besiedeln: „Das Ausbreitungspotenzial ist groß.“
Das Dilemma ist jedoch: Einerseits soll die Ansiedlung des Wolfes als geschützte, nicht jagdbare Tierart gefördert werden, doch nicht nur die Öffentlichkeit reagiert mit Vorbehalten auf das Raubtier. Auch Jäger haben Bedenken: „Es ist die alte Diskussion zwischen Naturschutz und Jagd. Je größer die Population ist, desto größer ist das Futteraufkommen“, sagt Krause. Die Sorge ist, dass der Bestand anderer Tierarten gefährdet oder ausgerottet wird. „Auch Krankheitsübertragung spielt eine Rolle.“ Der Wolf ernährt sich vor allem von Reh, Rothirsch und Wildschwein.
Krause meint: „Der Zuwachs muss langfristig begrenzt werden. Das heißt, dass der Wolf jagdbar werden muss. Nicht als Trophäe, sondern für den Fall, dass das Gleichgewicht gestört wird.“ Jäger wollen sich für eine gesetzliche Regelung einsetzen. Schellenberg betont dagegen, dass das Tier unter Naturschutz steht. „Es geht um den Erhalt.“ Einig waren sich die Anwesenden zur Info-Veranstaltung in einem: „Die Besiedlung des Wolfes in unserer Region muss vorbereitet werden“, so Krause. Der Wolfsmanagementplan für Sachsen ist bereits fertiggestellt, verabschiedet wurde er noch nicht.
In ihm ist für Landkreise vorgesehen, dass die Besiedlung mit wissenschaftlichen Methoden überwacht wird. Teil ist auch eine starke Öffentlichkeitsarbeit. Denn, so André Klingenberger, Wolfsmanager Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft: „Akzeptanz in der Bevölkerung ist die entscheidende Größe. Wir wollen Ängste abbauen.“ Zudem sollen Wolfmanager vor Ort beraten. Sie können auch über Förder-möglichkeiten informieren: So sind Präventionsmaßnahmen wie Zäune mit 60 Pro-zent durch die EU förderfähig. Der Freistaat entschädigt zudem Bauern, Schäfer und Jäger für von Wölfen gerissene ausreichend geschützte Nutztiere.
Lisa Garn
Der Wolf Shop
Der Wolf in der Region
• Wölfe und Erzählungen über den Wolf finden sich auch in historischen Aufzeichnungen für die Region. So soll in den Wäldern des sächsischen Amtes Torgau besonders nach dem 30-jährigen Krieg eine große Wolfspopulation gelebt haben.
• Allein 1678 hatte das Amt Torgau 300 Mann für Wolfsjagden abzustellen, selbst die Arbeiter vom Brückenbau in Torgau wur-den abgezogen, um an der „Austilgung des Raubzeuges“ in den Wäldern um Torgau, in der Annaburger und der Dübener Heide teilzunehmen.
• Allein in der Dahlener Heide und den umliegenden Wäldern sollen zwischen 1611 und 1663 insgesamt 812 Wölfe erlegt worden sein. In der Dresdener Hofkü-che sind 1669 beispielsweise 52 gesalzene und geräucherte Wölfe verbraucht worden.
• 1817 erließ das Finanzministerium Torgau eine Prämienregelung zur Ausrottung der Wölfe. Für eine Wölfin wurden 12 Taler, für einen alten Wolf 10 Taler, für einen Wolfswelpen 1 Taler gezahlt – zum Vergleich: Der Bürgermeister von Belgern bekam im gleichen Jahr ein Monatsgehalt von 16 Talern.
• Die letzten Wölfe sind wohl noch im Jahre 1877 in Probsthain und Mügeln zur Strecke gekommen.
Die Wölfe sind wieder da
Stern.de - April 09
Experte: 50 freilebende Wölfe in Deutschland
Cottbus (dpa) - In Deutschland leben bis zu 50 Wölfe in freier Natur. Die Angst der Menschen vor den Tieren kann nach Ansicht des Wolfsexperten Peter Blanché durch eine bessere Aufklärung verringert werden.
«Wölfe stellen für Menschen keine Gefahr dar, falls sie nicht an Tollwut erkrankt oder leichtsinnig angefüttert worden sind», sagte der Geschäftsführende Vorstand der bundesweiten Gesellschaft zum Schutz der Wölfe. Zudem sei der Mensch gar kein Beutetier des Wolfes. «Wir müssen deshalb mehr Wissen über diese scheuen Tiere vermitteln», erläuterte Blanché vom dem 2. Internationalen Wolfssymposium an diesem Wochenende im brandenburgischen Stendenitz. Die deutsche Organisation habe etwa 1000 Mitglieder und sei unter anderem am Wolfsmanagement von Brandenburg und Sachsen beteiligt.
Allein in der Lausitz leben 35 Wölfe in fünf Rudeln. Seit sich hier ab Mitte der 1990er Jahre Wölfe wieder angesiedelt haben sei keinem Menschen etwas passiert. «Wölfe sind völlig unauffällig, und wenn ein Mensch sie mal zu Gesicht bekommt, gilt das als Sensation», erläuterte der Tierarzt Blanché.
Quelle: http://www.naumburger-tageblatt.de
Zitat: 13.6.2009
Geschützer Wolf findet in Sachsen-Anhalt neue Heimat
Jäger und Schafzüchter reagieren mit Skepsis auf die Einwanderung der Vierbeiner
VON Julia Klabuhn,
Arneburg/ddp. Deutlich zeichnen sich die Pfotenabdrücke eines Wolfes in dem Sandstreifen bei Arneburg in der Altmark ab. Solche Hinweise auf das Raubtier könnten in Sachsen-Anhalt künftig häufiger anzutreffen sein, denn der Wolf wandert aus den benachbarten Bundesländern Brandenburg und Sachsen ein. Biologe Andreas Berbich, der in der Verwaltung des Biosphärenreservats Mittelelbe in Arneburg (Landkreis Stendal) arbeitet, ist dem Wolf auf der Spur. Er sammelt Informationen über einwandernde Wölfe und berät Landwirte, wie Schäden durch das Raubtier vermieden werden können.
Das Landesumweltministerium hat ihn als Wolfsreferenten eingesetzt, nachdem im Herbst vergangenen Jahres bei Nedlitz (Kreis Anhalt-Bitterfeld) ein Schaf von einem Wolf gerissen wurde. Zudem gab es Hinweise darauf, dass auf dem Truppenübungsplatz bei Altengrabow (Jerichower Land) ein Wolfspaar lebt. Eines der Tiere wurde vor einer Woche von einem Jäger illegalerweise erlegt.
Häufig komme es zu Verwechslungen mit Hunden, sagte Berbich und zeigt auf Bildern, wie ein vom Hund gerissenes Tier von einem zu unterscheiden ist, das ein Wolf getötet hat. «Dort sieht man nicht mehr als die Einstiche der Eckzähne an der Kehle. Das ist typisch Wolf», kommentiert der 47-Jährige das Bild eines toten Schafes. Hunde würden dagegen Verletzungen am ganzen Körper des Schafes hinterlassen.
Das Bild des gerissenen Schafes unterstreicht auch, warum die Einwanderung des Wolfes in Sachsen-Anhalt mit gemischten Gefühlen beobachtet wird. Schäfer fürchten um ihre Herden. Und aus Sicht der Jäger stellt der Wolf eine Konkurrenz um das Wild dar. Das Land wollte deshalb nicht warten, bis es regelmäßig zu Konflikten zwischen Wolf und Mensch kommt. «Wir wollten uns früh genug auf den Fall einstellen, dass Wölfe sich hier dauerhaft ansiedeln», sagt der Sprecher des Landesumweltministeriums, Detlef Thiel. Man habe deshalb alle Betroffenen an einen Tisch geholt, um auszuloten, wie die Jäger, Schäfer und Naturschutzverbände zum Wolf stehen, sagt er.
Inzwischen liegt eine Leitlinie vor, die Hinweise zum Umgang mit dem Wolf festschreibt. Sie stellt klar, dass der Wolf in Deutschland streng geschützt ist. Seit 1980 darf er nicht mehr gejagt werden. Seit der Wiedervereinigung 1990 gilt dieses Verbot auch in den neuen Ländern. «Wir haben unseren Mitgliedern die rechtliche Lage erläutert», sagt Dietrich Kramer, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes. Einige Revierinhaber hätten Bedenken, dass sich die hohe Jagdpacht nicht mehr lohne, wenn es weniger Erlöse aus dem Verkauf von Wildfleisch gebe. Kramer ruft aber zur Gelassenheit auf. «Wir wollen nicht heulen, das sollen zuerst die Wölfe machen», sagt er.
Weniger gelassen zeigen sich die Schafzüchter im Land. «Der Wolf ist eine Bedrohung und ein Kostenfaktor», sagt Hans-Jörg Rösler, Geschäftsführer des Landesschafzuchtverbandes. Erfahrungen aus Sachsen hätten gezeigt, dass hohe Elektrozäune und Herdenschutzhunde keine absolute Sicherheit für die Schafe böten. Diese Schutzmaßnahmen seien zudem mit hohen Kosten verbunden. Viele Schäfer fürchteten deshalb um ihre Existenz.
Im Umweltministerium ist dieses Problem bekannt. «Es muss Entschädigungen geben und eine Unterstützung der Schäfer beim Herdenschutz», sagt Dietmar Spitzenberg, der im Ministerium das Wolfsmanagement koordiniert. Wichtig sei, dass sich der Wolf nicht daran gewöhne, Nutztiere zu reißen. Wenn ein einzelnes Tier dennoch große Probleme mache, müsse man es im Notfall einfangen. Eine Gefahr für den Menschen wird jedoch nicht gesehen. «Der Mensch passt nicht ins Beuteschema des Wolfes und wird deshalb gemieden», versichert Annett Leipelt, Sprecherin des Naturschutzbundes Sachsen-Anhalt.
NABU-Aktionsplan Wolf
Nach rund 150 Jahren wurden im Jahr 2000 in Deutschland erstmals wieder Wolfswelpen von einer in Freiheit lebenden Wölfin geboren. Die Geburt der Jungwölfe in der sächsischen Oberlausitz war der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die bereits ab Mitte des letzten Jahrhunderts mit vereinzelt einwandernden Wölfen aus den östlichen Nachbarländern begann. Zwischen 1945 und 1990 versuchten mindestens 22 Wölfe erfolglos - sie wurden geschossen oder fielen dem Straßenverkehr zum Opfer - in Deutschland wieder Fuß zu fassen. Ab den 90er Jahren traten Wolfsbeobachtungen in Brandenburg und Sachsen häufiger auf. Aktuell (Dezember 2008) leben in der Lausitz fünf Rudel und ein Wolfspaar mit insgesamt 40-45 Tieren. Die fünf Rudel nutzen derzeit ein etwa 2000 Quadratkilometer großes Gebiet im sächsischen Nordosten und brandenburgischen Südosten. Das ist ungefähr die doppelte Größe Berlins. Damit ist dieses Gebiet vollständig besiedelt. Junge Wölfe wandern ab und bewegen sich somit im Umfeld der Territorien. Da Wölfe ausgesprochen Langstreckenwanderer sind wurden auch schon Tiere in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Niedersachsen, Hessen und, wie jüngst bekannt geworden, in Sachsen-Anhalt nachgewiesen.
Die Wölfe nutzen derzeit ein etwa 600 bis 700 Quadratkilometer großes Gebiet im sächsischen Nordosten. Der Truppenübungsplatz "Oberlausitz" dient ihnen dabei offenbar als Kernlebensraum. Streifzüge einzelner Wölfe führten von dort aus auch ins benachbarte Brandenburg.
Weitere Entwicklung
Wer an Wölfe denkt, der denkt automatisch an menschenleere Landschaften Nordamerikas oder Sibiriens. Kaum jemand weiß, dass Wolfsspuren heute vor den Toren Roms und Florenz oder an den Mittelmeerstränden der Toskana gefunden werden können. Auch die Lausitz ist vom Menschen bewohnt und hier bestätigt sich, dass die Nachbarschaft von Mensch und Wolf möglich ist. Es kann daher als gesichert gelten, dass Wölfe auch in vielen anderen Bundesländern eine Reihe geeigneter Lebensräume vorfinden werden.
Was ist zu tun?
Die Reaktionen auf die Rückkehr der Wölfe in das östliche Deutschland sind überwiegend positiv. Gelegentlich begegnet man den Wölfen aber auch mit Vorbehalten und Sorgen, denn im Gegensatz zu den Bevölkerungen der traditionellen europäischen "Wolfsländer" spielten diese Beutegreifer in den vergangenen Jahrhunderten in den Köpfen der Menschen keine nennenswerte Rolle mehr. Wir Menschen in Deutschland müssen daher - auch als Naturschützer - erst wieder lernen, mit dem Wolf in unserer Nachbarschaft zu leben. Mit dem Aktionsplan Wolf stellt der NABU einen Arbeitsplan vor, der genau dieses Ziel - "Das konfliktarme Zusammenleben von Menschen und Wölfen in Deutschland" - unterstützen will.
Wilde Wölfe mitten in Deutschland
Erschienen am 03. Februar 2009
Auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow an der Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Brandenburg leben Wölfe. Das sei nun nachgewiesen, berichtet die "Märkische Allgemeine".
Es handele sich insgesamt um drei Tiere, von denen eins fotografiert werden konnte. An Nahrung fehle es den Wölfen im Landkreis Jerichower Land nicht. So hätten sie bereits zehn Stück Damwild und ein Schaf gerissen. Vermutlich handelt es sich bei den Wölfen um Jungtiere, die aus der Lausitz stammen. Auf dem Truppenübungsplatz in der Nähe von Möckern haben sie nichts zu befürchten, denn auch dort gilt das Jagdverbot für Wölfe.
Er ist jung, menschenscheu und macht unter dem Spitznamen Reinhard bundesweit Schlagzeilen. Dass nach mehr als 150 Jahren erstmals wieder ein frei lebender Wolf in Hessen auftaucht, ist einerseits eine Sensation. Und es ist andererseits auch ein Trend.
Noch sind es Einzelgänger
Immer öfter hat es in den vergangenen Jahren Wölfe aus der Lausitz oder aus dem westlichen Polen nach Westdeutschland verschlagen. Allerdings sind die Pioniere meist zu einem Junggesellendasein verdammt. Nach Expertenmeinung werden wohl noch Jahrzehnte vergehen, ehe sich auch in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hessen und Rheinland-Pfalz ganze Wolfsfamilien tummeln.
Bereits drei Rudel heimisch
"Man kann sich aber darauf einstellen, dass Wölfe überall in Deutschland auftauchen", sagt Markus Bathen, Wolfsexperte beim Naturschutzbund Deutschland (NABU). Er hat allen Grund zur Zuversicht. Etwa 25 Wölfe sowie mehrere Wolfswelpen leben in drei Rudeln in der brandenburgischen und sächsischen Lausitz. Auch in Nachbarländern wie Polen und Italien sind Wolfsfamilien heimisch. Werden die Jungwölfe mit etwa zwei Jahren geschlechtsreif, wird es in den Territorien zu eng und die Jungspunde wandern ab. Manche Nesthocker bleiben in der Nähe. Andere wandern in die Ferne, durchschwimmen Flüsse, überqueren Berge und legen dabei durchschnittliche 50 Kilometer pro Tag zurück.
Sehr anpassungsfähige Tiere
"Wenn ein Wolf es darauf anlegt, schafft er es binnen einer Woche von der Lausitz in den Westen", sagt Bathen. Auf diese Weise landete womöglich auch jener Wolf im 22.000 Hektar großen Reinhardswald in Nordhessen. Im Schnee sichtete ein Förster vergangenes Weihnachten erste Wolfspuren. Einen Artgenossen verschlug es wiederum in die Lüneburger Heide, wo der Wolf seit mehr als einem Jahr lebt. Wölfe seien sehr anpassungsfähig, sagt Ilka Reinhardt vom "Wildbiologischen Büro Lupus" in der Lausitz. "Wenn man sie lässt, können sie auch in der Nähe des Menschen leben."
Der Mensch ist der größte Feind
Dass es in deutschen Wäldern bald nur so von Wölfen wimmelt, hält Markus Bathen aber für abwegig. "Zunächst wird es wohl bei Einzelfällen bleiben", sagt er. Denn auch wenn in manchem Schauermärchen der Wolf dem Menschen zu Leibe rückt, in Wahrheit ist es umgekehrt. So wurde im vergangenen Jahr in Schleswig-Holstein der erste Wolf des Bundeslandes nach fast 190 Jahren überfahren. 2006 wanderte ein Wolf von Italien über die Alpen nach Bayern, nur um dann bei Starnberg unter die Räder zu kommen. Und immer wieder werden Wölfe illegal abgeschossen.
Kaum Chancen auf Nachwuchs
Außerdem müssen die Wolfs-Zuwanderer ein Singledasein fristen und bekommen somit keinen Nachwuchs. "Wenn Wölfe wandern, wählen sie irgendeine Himmelsrichtung. Sie wissen ja nicht, dass es im Westen keine Wölfe mehr gibt", sagt Ilka Reinhardt. Zwar orientieren sich Wölfe an den gleichen Geländemarken wie Flüssen und können sich "erschnuppern". Es wäre aber ein großer Zufall, fände der vom Hessischen Rundfunk als "Reinhard" verniedlichte Wolf, der auch eine "Reinhardine" sein könnte, ausgerechnet im Reinhardswald einen Lebensgefährten. "Die Chance, dass ein Partner vorbei kommt, halte ich für ziemlich gering", seufzt Forstamtsleiter Norbert Teuwsen. Er hofft nun, dass der Solo-Wolf trotzdem bleibt.
Abstruse Vorurteile über den Wolf
Wolfsfachmann Bathen vermutet, dass noch viele Jahre vergehen werden, ehe sich auch im Westen Deutschlands Wolfsrudel tummeln. Gleichwohl plädiert er dafür, sich auf die tierischen Pioniere einzustellen. Weil Isegrim nämlich seit 150 Jahren in Mitteleuropa ausgestorben ist, kennen ihn viele Bürger nur noch aus Rotkäppchen oder Werwolf-Schockern. Und sie fragen sich, ob der Familienspaziergang im Wald noch drin ist. "Wir müssen mit Vorurteilen aufräumen", sagt Bathen. Der vermeintliche Böswewicht sei in Wahrheit ein Hasenfuß, von dem keine Gefahr für den Menschen ausgehe.
Entschädigungen für Schäden
Gefahr besteht laut Bathen höchstens für Schafe und Ziegen, die der Wolf vor allem dann angreift, wenn Rehe, Wildschweine und Hirsche knapp werden. Der Wolfsexperte schlägt vor, Landwirte zu schulen, mit welchen Zäunen sie ihre Tiere am besten schützen. Notfalls müssten für gerissene Schafe Entschädigungen fließen. "Der Wolf wird nur eine Chance haben, wenn wir Menschen ihn akzeptieren", sagt Bathen.
13. Mai 2008: Herzlichen Glückwunsch und willkommen Wolf! Zum ersten Mal seit 150 Jahren lebt wieder ein Wolf in Hessen. Er streift wohl schon seit ein paar Monaten durch den Reinhardswald nördlich von Kassel. Wahrscheinlich ist er von Norden oder Osten her eingewandert. Ein Jäger konnte das Tier jetzt erstmals fotografieren. Der NABU erwartet vom Land Hessen eine aktive Begleitung des Wolfes und ein gutes Wildtiermanagement.
19. März 2008: Spätestens durch die Schafrisse im Landkreis Ludwigslust Mitte Januar hat die Zeit als Wolfsstandort für Mecklenburg-Vorpommern begonnen. NABU, BUND, Landesjagdverband und Landesschafzuchtverband begrüßen die Rückkehr einer seit rund 180 Jahren ausgestorbenen Tierart und die damit verbundene Aufwertung des Artenreichtums der heimischen Landschaft19. März 2008: Spätestens durch die Schafrisse im Landkreis Ludwigslust Mitte Januar hat die Zeit als Wolfsstandort für Mecklenburg-Vorpommern begonnen. NABU, BUND, Landesjagdverband und Landesschafzuchtverband begrüßen die Rückkehr einer seit rund 180 Jahren ausgestorbenen Tierart und die damit verbundene Aufwertung des Artenreichtums der heimischen Landschaft
26. Januar 2008: Ein 54-jähriger Autofahrer hat auf der Bundesstraße 156 zwischen Boxberg und Weißwasser einen Wolf angefahren und tödlich verletzt. Das Tier verendete noch auf der Straße. Der Fahrer und seine Begleiterin blieben unverletzt. Sie seien in Richtung Weißwasser unterwegs gewesen, als plötzlich ein Rudel Wölfe über die Straße gelaufen sei. Den Zusammenstoß mit dem Tier, das zuletzt die Straße überquerte, konnte der Fahrer nicht mehr verhindern. 26. Januar 2008: Ein 54-jähriger Autofahrer hat auf der Bundesstraße 156 zwischen Boxberg und Weißwasser einen Wolf angefahren und tödlich verletzt. Das Tier verendete noch auf der Straße. Der Fahrer und seine Begleiterin blieben unverletzt. Sie seien in Richtung Weißwasser unterwegs gewesen, als plötzlich ein Rudel Wölfe über die Straße gelaufen sei. Den Zusammenstoß mit dem Tier, das zuletzt die Straße überquerte, konnte der Fahrer nicht mehr verhindern.
20.01.2008 - Im Münchner Merkur Nr. 12 wurde darauf hingewiesen das im Fichtelgebirge (bei Wunsiedel) wahrscheinlich Wölfe (einzelnes Tier?) unterwegs sind. Es ist ein Managementplan für Wölfe vom bayrischen Umweltministerium erstellt und veröffentlicht worden. Im Kreis Starnberg wurde 2006 ein Wolf von einem Auto überfahren.
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Am 07. August 2007 findet ein Förster auf dem Truppenübungsplatz in der
Neustädter Heide (Oberlausitz/Sachsen) einen toten Wolf. Es ist ein
etwa einjähriges Weibchen. Die Untersuchung im Institut für Zoo- und
Wildtierforschung (IZW) ergibt, dass die junge Wölfin an inneren
Verletzungen gestorben ist. Man geht davon aus, dass sie von einem
Zusammenstoß mit einem Wildschwein stammen.
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Am 15. August 2007 wird die nächste tote Wölfin in Brandenburg entdeckt.
Ein Waldarbeiter findet das Tier in einem Dickicht südlich der B 87 bei
Langengrassau (Landkreis Dahme-Spreewald). Zur ersten Begutachtung des
toten Wolfs wird die sächsische Wolfsexpertin Ilka Reinhardt zugezogen.
Sie stellt fest, dass es sich um ein ein- bis zweijahriges Wölfin
handelt, deren Todesursache sich nicht durch Augenschein bestimmen
läßt. Deswegen wird der Tierkörper, der schon Verwesungserscheinungen
aufweist, in das Berliner Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
gebracht, damit mit Computertomographie und Sektion die genaue
Todesursache ermittelt werden kann. Eine Woche später steht das
Ergebnis fest:
Die Wölfin wurde offenkundig erschossen. In ihrem Körper steckte noch
das Projektil. Nach Experten-Meinung handelt es sich bei den gefundenen
Metallsplittern um Reste eines preisgünstigen Teilmantelgeschosses,
wie es von Jäger verwendet wird.
Die Schußwunde im Bereich des oberen linken Vorderlaufs zerfetzte beim
Eintritt wichtige Blutgefäße und der daraus resultierende starke
Blutverlust führte zum langsamen Tod der Wölfin. Sie muss sich aber
noch etwa drei Kilometer bis zum Fundort geschleppt haben und erst dort
gestorben sein.
Demnach muss die Wölfin eine Blutspur hinterlassen haben, der niemand – auch nicht der Erleger –
nachgegangen ist.
Nachdem sich der Verdacht auf einen illegalen Wolfsabschuss erhärtet
hat, erstattete das Forstamt Luckau Strafanzeige wegen Verstoßes gegen
das Bundesnaturschutzgesetz.
Für sachdienliche Hinweise, die zur Klärung der Tat führen, setzt der
Deutsche Jagdschutzverband (DJV) eine Belohnung von 1.000 Euro aus.
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Potsdam 17.11.2007 Im Rahmen der Landesvertreterversammlung des NABU Brandenburg haben der NABU und der Landesjagdverband Brandenburg in Gegenwart von Umweltminister Dr. Dietmar Woidke heute eine gemeinsame Erklärung zur Rückwanderung ausgerotteter Großsäugetiere unterzeichnet. Darin wird die natürliche Rückkehr einstmals ausgerotteter Arten wie Elch und Wolf, zukünftig vielleicht auch Luchs begrüßt. Beide Verbände vereinbaren unter anderem eine Erfassung und Auswertung von Beobachtungs- und Funddaten und wollen in ihrer Öffentlichkeitsarbeit die Rückkehr der Großsäuger mit dem Ziel der Akzeptanzsteigerung in der Bevölkerung begleiten. In diesem Jahr wurde erstmals Nachwuchs bei einer Wolfsfamilie in Südbrandenburg festgestellt. Auch Elche wurden 2007 wiederholt in Ostbrandenburg beobachtet.
NABU-Landesvorsitzender Tom Kirschey: „Um Konflikten vorzubeugen, sind aktuelle Managementpläne für Wolf und Elch erforderlich. Wir begrüßen Entschädigungsregelungen und die Förderung von Schutzmaßnahmen für Schafhalter. Dringend notwendig ist eine wissenschaftliche Begleitung, um die Rückwanderung genau verfolgen zu können und zu beobachten, wie sich die Tiere in unserer Kulturlandschaft verhalten.“
LJV-Präsidiumsmitglied Dr. Kurt Walter: „Voraussetzung für die erfolgreiche Rückwanderung der Großsäuger, aber auch für den genetischen Austausch zwischen den Populationen anderer Wildarten ist die Erhaltung unzerschnittener Räume und die Schaffung von Wanderkorridoren. Unsere Verbände werden sich dafür einsetzen, dass dies bei der Raumordnung und vor allem bei der Planung neuer Verkehrstrassen besonders berücksichtigt wird.“
Bonn, 11.02.2007: "Ein Leben mit Wölfen in Deutschland ist möglich. Pauschallösungen für den Umgang mit dem streng geschützten Wolf gibt es allerdings nicht", sagte der Präsident des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Prof. Dr. Hartmut Vogtmann, anlässlich der Veröffentlichung "Leben mit Wölfen. Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland".
Die neue Veröffentlichung enthält Hintergrundinformationen und stellt ausführlich fachliche Grundlagen und Vorschläge für ein Wolfsmanagement in Deutschland dar. Mit Hilfe von GIS-Analysen wurde die Eignung verschiedener Regionen Deutschlands für eine Etablierung von Wölfen untersucht: Vor allem im Nordosten des Landes, in den Mittelgebirgen und im Südosten sind dem derzeitigen Verbreitungsgebiet vergleichbare Flächen häufig. Neben den Konfliktpotentialen in Bezug auf die Im November 2001 wurde die N.-Verordung in Kraft gesetzt und alle Vorschriften über das Halten von Nutztieren systematisch zusammengeführt.Nutztierhaltung und die öffentliche Sicherheit wird auch der Aspekt "Wolf-Wild-Jagd" behandelt sowie Lösungsansätze hierzu dargestellt.
"Besonders wichtig sind die Erarbeitung und Umsetzung eines bundesweit abgestimmten Konzeptes für Prävention und Kompensation von Nutztierverlusten, eine intensive Öffentlichkeitsarbeit und eine enge Zusammenarbeit mit den betroffenen Interessengruppen, um eine dauerhafte Etablierung der Wölfe in Deutschland zu ermöglichen", erläuterte BfN-Präsident Vogtmann. "Die vor Jahren nach Deutschland zurückgekehrten Wölfe in der Lausitz haben gezeigt, dass bei einem guten Management ein Miteinander von Mensch und Wolf keine größeren Probleme bereitet".
Der Leitfaden wurde im Rahmen des vom Abkürzung für Bundesamt für Naturschutz, siehe StichwortBfN mit Mitteln des Bundesumweltministeriums geförderten Forschungsvorhabens "Fachkonzept für ein Wolfsmanagement in Deutschland" vom Staatlichen Museum für Naturkunde Görlitz und dem Wildbiologischen Büro LUPUS erarbeitet. Er soll als fachliche Grundlage für die Entwicklung eines zwischen den zuständigen Behörden und Interessengruppen abgestimmten Managementplanes für Wölfe in Deutschland dienen.
Hintergrund:
Der Wolf (Canis lupus) ist eine der am stärksten emotional befrachteten Tierarten. Jahrhunderte lang wurde er verfolgt und in weiten Teilen Nord- und Mitteleuropas ausgerottet. Erst in den letzten Jahrzehnten begannen sich verschiedene Populationen durch Schutz und Schonzeiten zu erholen. In den letzten 20 Jahren kehrten Wölfe sogar wieder in Gegenden zurück, in denen sie vorher ausgerottet worden waren - auch Deutschland ist ein solches neues, altes Wolfsgebiet.
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Die am Rande des Spreewaldes aufgefundene Wölfin ist nach Informationen aus dem brandenburgischen Umweltministerium geschossen worden. NABU, Landesjagdverband Brandenburg (LJVB) und Deutscher Jagdschutz-Verband (DJV) verurteilen den Abschuss des streng geschützten Wolfes gleichermaßen und kündigten eine gemeinsame Strafanzeige an.
NABU, Landesjagdverband Brandenburg und DJV setzen darauf, dass die Hintergründe und Verantwortlichen des Abschusses rasch ermittelt werden. Für sachdienliche Hinweise, die zur Klärung der Tat führen, setzt der DJV eine Belohnung von 1.000 Euro aus.
„Die Jägerschaft ist für eine natürliche Einwanderung von Wölfen. Mögliche Konflikte lassen sich nicht mit illegalen Abschüssen lösen, sondern mit Managementplänen“, sagte Dr. Wolfgang Bethe, Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg und DJV-Vizepräsident und verwies auf das kürzlich veröffentlichte DJV-Positionspapier zum Wolf. „Wir setzen uns für ein Zusammenleben von Menschen und Wölfen in Deutschland ein“, so Leif Miller, NABU-Bundesgeschäftsführer. Das Beispiel zahlreicher europäischer Länder zeige, dass dies möglich sei. „Wir müssen gemeinsam lernen, mit Rückkehrern wie dem Wolf zu leben“, so Bethe und Miller.
Wölfe unterliegen nicht dem Jagdrecht und sind nach den Bestimmungen des Naturschutzrechts streng geschützt. Ausgehend von der polnischen Wolfspopulation sind die Wölfe wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Nach mehr als 140 Jahren waren im Jahr 2000 in der sächsischen Lausitz erstmals wieder freilebende Wölfe in Deutschland geboren worden. Derzeit leben in Sachsen und Brandenburg vier Familienverbände. Die Gesamtzahl der in Deutschland lebenden Wölfe liegt bei 35 bis 40 Tieren.
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6. Juli 2007: Der Wolf ist zurückgekehrt. Doch muss seine Rückkehr mehr akzeptiert und von den Menschen vor Ort unterstützt werden. Nur wenn der Wolf nicht länger als Konkurrent und Feind angesehen wird, hat er eine Chance, dauerhaft heimisch zu werden. In der Oberlausitz gibt es eine frohe Botschaft für die eingewanderten Wölfe: Es gibt junge Welpen!
25. Mai 2007: In Niedersachsen hat sich erstmals seit mehr als 50 Jahren wieder ein Wolf angesiedelt. Wie die Firma Rheinmetall mitteilte, lebt der Wolf bereits seit mehreren Monaten auf einem Testgelände des Unternehmens in der Lüneburger Heide. „Das zeigt, dass ein Miteinander von Wolf und Mensch möglich ist. Der Wolf ist eine Bereicherung und hat eine Chance verdient, wieder heimisch zu werden“, erklärt NABU-Artenschutzexperte Magnus Herrmann
24. April 2007: An der B 76 bei Süsel im Kreis Ostholstein ist am Montag (23.) ein Wolf überfahren worden. Da das etwa ein Jahre alte und 38 Kilogramm schwere Tier keinen implantierten Mikrochip trug, stammt es nicht aus einem Wildpark. Der NABU hofft, dass dieser Wolf nicht der einzige bleibt, der den Weg nach Schleswig-Holstein findet. Die Landesregierung sollte deshalb Maßnahmen für zukünftige Einwanderungen treffen.
13. April 2007: In den letzten Tagen sind im Kreis Ludwigslust mehrere Schafe gerissen worden. Experten untersuchen nun, ob ein Wolf der Verursacher war. „Sollte sich der Verdacht bestätigen, freuen wir uns über den Einwanderer nach Mecklenburg-Vorpommern“, so der NABU-Landesvorsitzende Stefan Schwill. Er erneuerte zugleich die NABU- Forderung nach einem länder- übergreifenden Wolfsmanagement und mahnte rasche unbürokratische Hilfe für betroffene Tierhalter an.
Bayerisches Staatsministerium für
Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz
Pressesprecher
Dr. Roland Eichhorn
Nr. 58 3. Februar 2005
Schnappauf: Wölfe wieder in Bayern
"Symbol für die Rückkehr der Wildnis nach Mitteleuropa"
+++ Der Wolf ist nach über 100 Jahren wieder nach Bayern zurückgekehrt.
Dies erklärte der Bayerische Umweltminister Werner Schnappauf heute in
München, nachdem im Nationalpark Bayerischer Wald wieder Wolfsspuren
entdeckt wurden. Schnappauf: "Nach dem Luchs ist der Wolf innerhalb von
zwei Jahrzehnten der zweite Heimkehrer." Für Menschen bestehe keine
Gefahr durch Wölfe. Denn Wölfe sind extrem scheue Tiere und lassen sich in
der Regel kaum blicken. Der Wolf sei ein Symbol für eine intakte unberührte
Natur. "Mit dem Wolf kehrt ein Stück Wildnis nach Mitteleuropa zurück", so
der Minister. +++
Seit einigen Jahren gibt es immer wieder Hinweise, dass Wölfe das
bayerisch-böhmische Grenzgebirge, mit den Nationalparken Bayerischer
Wald und Sumava durchstreifen. Schnappauf wies darauf hin, dass das
Märchen vom bösen, Rotkäppchen-fressenden Wolf mit der Realität nichts zu
tun habe. In den letzten 50 Jahren sei kein Fall bekannt geworden, dass in
Mitteleuropa ein Wolf einen Menschen getötet hätte. "Der Wolf ist Vorfahr des
Hundes. Und der Hund ist der beste Freund des Menschen", erinnerte
Schnappauf. "Man muss dafür Sorge tragen, dass die zurückgekehrten Wölfe
nicht 'aus Versehen' geschossen werden", so der Minister. In Deutschland gilt
der Wolf seit langem als ausgestorben. Die in Bayern jetzt aufgetretenen
Tiere erreichen etwa die Größe eines Schäferhundes und haben graubraunes
Fell. Wölfe sind nach EU-Recht streng geschützt und dürfen nicht
bejagt werden.
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Nach mühsamer Kleinarbeit unterhalb des Lusengipfels gab es im Jahr 2005 für die Fährtenleser keinen Zweifel mehr. "Hier in Bayern ist tatsächlich ein Wolf unterwegs gewesen", sagt Karl Friedrich Sinner, Leiter der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald. Zusammen mit den Experten der deutschen Gemeinschaft zum Schutz der Wölfe hatte er auf über 1,5 Kilometern Länge eine Wolfsspur untersucht.Fachleute halten es für denkbar, dass sich wieder Wolfsrudel im Nationalpark Bayerischer Wald ansiedeln könnten. Zusammen mit dem angrenzenden Sumava-Nationalpark auf tschechischer Seite stünden ihnen rund 900 Quadratkilometer zur Verfügung. Friedrich Sinner rechnet damit in den nächsten fünf bis zehn Jahren, möglicherweise gibt es das erste Rudel aber schon. Denn Wölfe sind sehr scheue Tiere.

Redaktionelle Hinweise:
In Europa gibt es nur etwa 3.000 Tiere, die meisten in Rumänien; Polen hat rund fünfhundert
der scheuen Räuber. In Skandinavien wurde der letzte Grauwolf 1965 geschossen, doch
gegenwärtig sind dort wieder hundert Exemplare zu Hause. Auch Frankreich hat einen
Wolfsbestand, in der Schweiz tauchen immer wieder Einzelexemplare auf, in Italien leben die
meisten Grauwölfe in den Abruzzen - auch wenige Kilometer vor Rom ist ein Rudel
anzutreffen. In Deutschland ist der Wolf ausgestorben, bisher gab es nur ein kleines
Wolfsrudel von sechs Tieren, das in Sachsen lebt. Wölfe jagen vorrangig Rehe, Schwarzwild,
Damwild und vor allem Rotwild. Der Wolf ist jedoch in der Wahl seiner Nahrung flexibel und
frisst auch Dachse, Füchse und Marderhunde sowie Bisamratten, sowie kleine Säugetiere,
Fische und Kriechtiere und selbst Obst und Früchte. Untersuchungen belegen, dass Wölfe
bevorzugt schwache, kranke und überalterte Tiere jagen. Wo Schalenwild konzentriert
vorhanden ist, sorgt der Wolf für eine bessere Verteilung des Wildes, was sich günstig auch
auf den Wald auswirkt.

